Die Sache mit dem Alter

In wenigen Tagen werde ich 34. Vier. Und. Dreißig.

Vor gar nicht allzu langer Zeit (so vor etwa 14 Jahren), hatte ich ein sehr genaues Bild von 34-jährigen. Erwachsene Menschen, die ‚am Ziel‘ angekommen sind. Ja, ja. Ich dachte echt, dass man dann nach dem Studium oder der Ausbildung irgendwann so ein imganinäres Ziel erreicht hätte. Familie. Sicherer Job. Haus. Alle glücklich. Zack. Ziel erreicht. Fettich aus.

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Nun sitze ich heute hier. Mit (gerade noch so) 33 Jahren. Auf der großen Wiese des Uni Campus. Halte mein Gesicht in die Sonne, lausche den vielen Stimmen der Menschen um mich herum und genieße. Genieße es zu wissen, dass ich Dinge lerne, die mich faszinieren. Genieße das Gefühl, meine Kinder nachher wieder im Arm halten zu können. Genieße das Wissen, dass ich einen Mann an meiner Seite habe, der mich liebt und den ich liebe. Bedingungslos. Genieße das Gefühl und Wissen, dass es das nicht gibt. Dieses negativ behaftete Alter. Dieses spießige Erwachsensein.

Klar, werden wir älter. Wir machen unsere Erfahrungen. Gute wie Schlechte. Wir lachen viel. Wir weinen viel. Und jeder einzelne Schritt formt uns, lässt uns wachsen.

Zuviele Situationen im Leben haben uns gezeigt, dass alles von jetzt auf gleich anders sein kann. Nichts bleibt konstant. Außer der Veränderung.

Jeden Tag können wir aufs Neue entscheiden, wohin unser Weg uns führen soll. Manchmal können wir noch nicht mal selbst entscheiden. Dann müssen wir uns einfach leiten lassen. Vertrauensvoll. In jedem Alter.

Ich genieße es sehr. Dieses „Erwachsen-Sein“, ohne mich so richtig erwachsen fühlen.

Nie in meinem Leben war ich zufriedener und glücklicher als heute.  Nie war ich freier von der Meinung und den Taten anderer Menschen. Und nie war ich sicherer, dass ich zunächst mich selbst glücklich machen muss, um dann auch die Menschen um mich herum glücklich machen zu können.

Gut. Dann gibt es da ja noch diese Sache mit dem Körper. Manchmal schaue ich morgens in den Spiegel, und bin etwas… verwundert über meine äußerliche Erscheinung.

Geschwollen Augen, die sich nicht mehr so schnell zurückbilden wie früher.

Fältchen um die Augen herum, in denen sich so fies penetrant das Puder absetzt.

Augenringe. Ausgeprägter denn je. (Wie gut, dass jemand mal den Concealer erfand).

Widerspenstige graue Haare, die drohend vom Kopf abstehen. Borstig und gewunden. (Ich frage mich, ob ich irgendwann doch noch Locken bekommen werde. Diese neuen Haare da, lassen es vermuten.)

Längere Haare die am Kinn wachsen, deren biologischer Sinn sich mir noch nicht klar erschlossen hat.

Die Beine. Gut. Nach zwei Schwangerschaften war der Druck nach unten halt schon ordentlich. I like my Krampfaders. Not.

Die Füße, die bei mehr als 25 Grad Außentemperatur meinen, einfach mal anschwellen zu müssen.

Das Bindegewebe. Ach, lassen wir das.

Und doch – fühle ich mich in meinem Körper wohler und zufriedener denn je. Mein Zuhause, mit dem ich Frieden geschlossen habe. Ein Wunderwerk, dass zwei Menschen auf diese Welt gebracht hat. Gott, was habe ich mir früher Gedanken um Gewicht, Aussehen und mein Sportpensum gemacht. Wieviel Wert habe ich meinem Aussehen beigemessen. Viel zu viel. Was für eine Zeitverschwendung. Aber das weiß ich erst heute.

Heute. Als erwachsene, nicht-erwachsene, 34-jährige. Eine 34-jährige, die verdammt arsch-glücklich-und-dankbar für ihr Alter ist. Und die nie wieder jünger sein möchte. Nur noch erfahrener.

 

 


10 Gedanken zu “Die Sache mit dem Alter

  1. Was ein schöner Artikel! Und hey, ich bin schon vier-null. Das erstaunt mich auch oft…Aber wie du sagst, es ist so angenehm, wie die Prioritäten sich verschieben, dass man gelassener wird, sich selbst und das Leben besser kennt. Man sich selbstbewusster in die Welt stellen kann!
    Ichh habe beschlossen, mich nicht alt zu fühlen. Ich habe vor, neunzig zu werden. Wenn ich also mit neunundachtzig zurückschaue, ist vierzig wirklich jugendlich 😉 Ich kann mich ja jetzt nicht fünfzig Jahre, also die Hälfte meines Lebens, alt fühlen…Beschwingte Grüße!

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  2. So geht es mir auch. Und irgendwie hörte ich mit Mitte 30 auf zu zählen. Ich fühle mich nicht so alt, wie ich bin bzw wie ich immer dachte, wie man sich dann fühlt. Neulich saßen wir beisammen und meine Oma sagte: „Dein Bruder wird ja dieses Jahr auch schon 29!“ . Ich sagte verwundert: „Wieso? Der ist doch genau 10 Jahre jünger als ich, wie kann der denn 29 werden. Der wird doch 28!“ Da lachte meine Oma und sagte: „Du wirst ja auch schon 39!“
    Ich hatte es komplett vergessen und war der festen Überzeugung ich würde dieses Jahr meinen 38. Geburtstag feiern. 😀

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    1. 🙂 Diese Situation kenne ich nur zu gut. Diese „Zahl“ ist einfach etwas total abstraktes und irgendwie auch unbedeutendes geworden.
      Mir geht es mit meinem Kommilitonen oft ähnlich. Wenn jemand sagt, er sei 26 denke ich „Ach, in meinem Alter.“. Und in der nächsten Sekunde dämmert es mir…

      Wir sind so alt, wie wir uns fühlen, liebe Beatrice 😉 Stimmt’s!?
      Grüssken, Nina

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