Wenn Kinder Angst haben – ein Elterntip

Wir verlassen die Arztpraxis. Meine Tochter schaut mir in die Augen und beginnt furchtbar zu weinen. Mir zerreißt es das Herz.

„Siehst du Mama. Ich wusste es doch. Der Arzt will mir Blut abnehmen.“, bricht es aus dir heraus. Du lehnst dich in meine Arme und weinst und weinst und weinst.

Wir hatten schon vorher kurz darüber gesprochen, weil ich ahnte, dass das auf uns zukommen kann und ich wusste, wie groß deine Angst diesbezüglich ist.

So eine große Angst die dich überrollt, für einen kleinen Piecks. Aber ich muss lernen, dass das momentan nur in meinen Augen „ein kleiner Piecks ist“. Aus deiner Sicht ist das viel mehr.

Ich weiß wie groß Angst werden kann. Ich weiß auch, dass wir es selbst in der Hand haben, den Raum unserer Angst zu begrenzen. Wie kann ich dich gut begleiten? Wie schaffe ich es, für dich in dem Maße da zu sein, indem du mich brauchst. Nicht viel mehr, nicht viel weniger.

Ich kann dir deine Angst nicht nehmen. Ich kann dir nicht sagen, wie du deine Angst zu nehmen hast. Ich kann nur für dich da sein. Nur wie geht das?

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Quelle: Pixabay

„Mäuschen. Ich verstehe deine Angst. Ich kenne das. Ich hatte auch schon oft Angst. Angst kommt und Angst geht. Wie eine Wolke am Himmel. Weißt du, mir wurde schon so, so oft Blut abgenommen. Ich werde dir zuhause erklären, wie genau das gemacht wird. Wir werden vorher ein kleines Pflaster auf deine Haut kleben. Dann wirst du wahrscheinlich nicht mal den kleinen Piecks merken. Vertrau mir.“

„Ach Mama. Ich vertraue dir ja. Aber meine Angst vertraut dir nicht.“ So große Worte von dir.

Worte die mir zeigen, dass ich deiner Angst nicht mit vielen Worten begegnen sollte. Vielmehr mit meiner Haltung. Mit meiner inneren Haltung, die für dich ein Gerüst sein kann, an dem du dich festhalten kannst.

Wir fahren nach Hause. Du zählst die Tage bis zu dem Termin und malst deine Angst auf ein Blatt Papier. Das machst du häufig, wenn deine Emotionen dich überrollen. Voller Stolz stehe ich neben dir. Lege meine Hand auf deinen Rücken und schaue dir zu.

Wir alle müssen mit unserer Angst umgehen lernen. Auch unsere Kinder. Wir als Eltern können sie dabei liebevoll und individuell begleiten. Das ist nicht immer einfach. Ganz und gar nicht. Versuchen wir nur unser Bestes zu geben. Indem wir klar sind, welche Botschaften wir an unser Kind aussenden möchten.

Meine Botschaften an mein Kind mit der großen Angstwolke:

  • Lass uns gemeinsam gehen, Hand in Hand. Ich bin bei dir.
  • Deine Angst ist okay, sie darf da sein.
  • Angst kommt, Angst geht. Wie eine Wolke am Himmel. Hinter der Wolke ist der Himmel blau und klar.
  • Manche Situationen machen uns Angst. Dennoch müssen wir uns in sie hinein begeben.
  • Oft gaukelt uns die Angst vor, dass alles noch viel schlimmer sein wird, als es in der Realität ist.
  • Wir schaffen das!

Ihr ahnt, dass ich diesen Text auch für mich geschrieben habe 😉 Als ich gestern mein aufgelöstes Kind in dem Armen hielt hätte ich am liebsten mitgeweint.

Es tut mir so leid zu sehen, wie schnell und groß sich Angst in unserer Tochter breit machen kann. Ich weiß, dass das ein Thema sein wird, das sie vermutlich lange im Leben begleiten wird. Deshalb versuche ich es positiv zu sehen. Angst ist Teil unseres Lebens und gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu.

Als Eltern haben wir oft die Tendenz unsere Kinder davon fernhalten zu wollen. Das dürfen wir nicht. Vertraue wir ihnen. In ihre Fähigkeiten und in ihre Stärke. Jetzt können wir gemeinsam in kleinen, konkreten Schritten ausprobieren, wie sie ihrer Angst begegnen können. Um für später gut gerüstet zu sein.

Habt ihr vielleicht andere Gedanken dazu? Oder andere Herangehensweisen und Erfahrungen? Die würden mich brennend interessieren.

Ich grüße euch, Nina.

 


7 Gedanken zu “Wenn Kinder Angst haben – ein Elterntip

  1. Wundervoll…wir haben auch viel mit Angst zu tun. Vielleicht schon eher mit Trauma. Wir sind schließlich mehrmals im Jahr bei Ärzten und in Kliniken sowie bei Therapeuten. Ständig möchte einer etwas von der kleinen Heldin, was sie nicht möchte. Gepiekst wurde sie in den letzten 23 Monaten wahrscheinlich schon öfter, als ich als Mutter es in meinem ganzen Leben werde. Es zerreißt mir jedes Mal das Herz und ich muss jedes Mal aufs neue kämpfen, nicht mitzuweinen, wenn sie bitterlich weint und sich angsterfüllt verkrampft und wehrt und wenn sie könnte wahrscheinlich einfach nur weglaufen würde… In dem Moment denkt man, die Welt bleibt stehen. Ich würde am Liebsten die Ärzte anschreien, das sie mein Kind aufhören sollen zu quälen und ebenfalls mit ihr auf dem Arm wegrennen, wenn ich nicht wüsste, das es nur zu ihrem besseren dient…
    Wunderschöne Angstbotschaften, an die ich in Zukunft sicher öfter denken werde…

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    1. Danke, meine Liebe. Ich werde nun gleich zunächst mal zu dir rüber hüpfen um bei dir zu lesen! Vielleicht finde ich dort raus, warum euerem Mäuschen so oft Blut abgenommen werden muss 😌!?

      Habt ihr mal die Emla Pflaster ausprobiert? Wobei bei den ganz kleinen Mäusen das stillhalten (unter Angst) zum Problem wird. Ist bei euch sicher auch so, nicht?

      Aber wir wissen es ja – was muss, das muss. Da ist der Piecks „halb so wild“. Strahlen wir das also aus. Wann immer es uns möglich ist 😘

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  2. Liebe Nina, ich habe meinen Sohn auch immer als ängstliches Kind angesehen – bis ich gemerkt habe, dass ich einfach auf die falschen Dinge schaute. Das Buch „Mut“ von Nicola Schmidt war für mich ein echter Augenöffner. Ich hoffe es ist ok, wenn ich das hier verlinke: http://mamahatjetztkeinezeit.ch/2015/03/09/nicola-schmidt-mut-wie-kinder-uber-sich-hinauswachsen/ (sonst bitte den Link löschen)
    Unsere Kinder sind stärker, als wir denken und unsere Sorgen, Befürchtungen und Ängste haben oft mehr mit uns selber zu tun, als mit ihnen.

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