B wie Brücke

Ich gehe nur sehr vorsichtig über unsere Brücke. Mache kleine Schritte. Setze meine müden Füße nur langsam auf. Ob ich dadurch mein Gewicht reduzieren kann? Die Energie reduzieren kann, die ich dieser maroden Brücke noch zutraue?

Ich traue ihr nicht mehr viel zu. Sie wackelt. Jeder noch so kleine Windhauch versetzt sie in viel zu starke Schwingungen. Jeder noch so ausgiebige Regenschauer lässt ihr Holz noch weiter aufquellen und modrig riechen. Viel Moos wächst in den Fugen des alten Holzes, welches von langen Würmern, kleinen flinken Tausendfüßlern und Spinnen mit langen, dünnen Beinen und schlauen Augen, bewohnt wird.

wallpaper-1011205_1920
Quelle: Pixabay

Scheiße. Ich habe einen weiteren Splitter im Fuß. Langsam bohrt er sich in mein Fleisch. Ich habe nichts bei mir, um ihn ziehen zu können. Ich habe keine andere Wahl, als mit Splitter weiter zu gehen. Wenn ich denn weiter gehen möchte. Unter Schmerzen. Den Boden meide ich flächenweise, um den Splitter nicht noch tiefer eindringen zu lassen. Vermeiden. Bloß nicht aufsetzen. Nicht ganz sein. Auf dieser Brücke ganz zu sein, das geht nicht mehr. Es schmerzt zu sehr.

Meter um Meter sieht man unsere Flicken. Wir waren fleißig. Immer wieder haben wir versucht die Risse auszubessern. Haben Leim gekauft um feine Holzstücke miteinander zu verkleben. Wir haben robuste, viel zu teure Holzpfosten gekauft, um die großen, zwischenzeitlich unüberbrückbaren Löcher zu schließen. Flickwerk. Nur Flickwerk. Marode.

Die Flicken hielten lange. Siehst du die filigranen, hübsch geknüpften Seile? Mit denen haben wir uns ein Geländer gebaut. Ein Geländer welches uns führt und leitet. Und festhält. Wenn der Wind den wir verursachten mal wieder drohte, uns von der Brücke zu fegen. Wirklich hübsch ist es. Unser Seil. In einem guten Zustand.

Ein Seil und ein Pfahl und sei dieser noch so breit, gepflegt und tragfähig, machen nur leider keine stabile Brücke aus.

Warum haben wir uns nicht weiter um unsere Brücke gekümmert? Nicht noch mehr? Nicht noch hingebungsvoller?

Warum haben wir sie immer wieder durch unsere Faulheit und Unvorsicht und durch unsere viel zu starken Fußtritte zerstört.

Nun liegt sie fast brach. Ich traue ihr nicht mehr. Nur noch ein Schritt weiter und sie könnte einbrechen.

Also bleiben wir besser allein. Jeder auf seine Seite. Wir sehen uns ja noch. Aus der Ferne.


2 Gedanken zu “B wie Brücke

Magst du mir dazu ein paar Worte schreiben?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s