Von Briefen und leuchtenden Kinderaugen

Worte. Worte sind mächtig. Liebevolle Worte können uns in den schönsten, schillernsten Raum voller Mitgefühl und Liebe katapultieren. Verletztende Worte verbannen uns schnell in die eisigste, einsame Ecke.

Das geschriebene Wort hallt nach. Immer wieder. Es bleibt und geht nicht in den Schallwellen der Umgebung verloren. Es kann in bestimmten Momenten wieder hervorgeholt werden. Um dem Leser erneut Licht zu schenken. Um sein Herz zu wärmen und um ihm Kraft zu schenken. Schmerzende Worte leider auch, um erneut Schmerz zuzufügen. Schwarz auf Weiß. Immer wieder.

Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt. (Rudyard Kipling)

Im Alltag sage ich meinen Kindern oft, dass ich sie liebe. Morgens, wenn sie zur Schule/ in den Kindergarten gehen. Abends, bevor sie ihre Augen schließen. Gesprochene Worte.

Nun geht unsere ältere Tochter schon zur Schule und hat begonnen uns Briefe zu schreiben. Sie schenkt uns ihre Worte.

Zum Beispiel diese: „Leiber MaMa, du biest die bestem MaMa aufder Wellt. Hund ert Küsjen. Deine Mi***.“

Da stehen sie. Für immer.

Nun ist es so, dass die Briefquote bei uns sehr hoch ist. Die Freude am Malen, Basteln, Schreiben ist ungebrochen und so kommt es schnell, dass uns 5 Briefe pro Tag, begleitet von 6 Bildern, erreichen. Das führt dazu, dass ich manchen Dingen nur ein flüchtiges Auge schenke.

Gestern erhielt ich wieder einen Brief. Überreicht mit leuchtenden, erwartungsvollen Augen. Nicht huschhusch auf den Tisch geworfen. Ich freute mich und nahm mir Zeit um die Worte und Bilder wirken zu lassen. Es ging mir so gut. Es tat mir so gut. Und plötzlich sprang da dieser Gedanken in meinen Kopf der sagte: „Haben deine Kinder eigentlich schon mal einen Brief bekommen? Deine Tochter kann nun lesen! Kennt sie das Gefühl, dass geschriebene Worte in ihr auslösen können?“

Nein. Bis heute früh kannte sie es nicht. So setzte ich mich gestern Abend hin und schrieb ihr einen Brief. Ein wenig „bebildert“ mit ihren Lieblingsmotiven und Farben. Natürlich schrieb ich für unsere jüngere Tochter ebenfalls einen Brief, den ich ihr vorlesen würde.

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Die Briefe legte ich neben ihre Betten. Heute morgen haben sie sie gefunden.

„Oh, was ist das, Mama?“

„Ein Brief. Den ich dir geschrieben habe. Du hast mir schon so viele schöne Briefe geschrieben, dass ich dir nun endlich mal zurückschreiben wollte.“

Ich bin nicht sicher, ob ich ihre Augen jemals so gesehen habe. Ich vermute nicht. So groß. So leuchtend. So stolz. So voller Freude. Heute ging sie nicht zur Schule. Sie schwebte.

Vermeintlich „kleine“ Gesten, können so, so viel in uns auslösen. Ich bin noch ein wenig verzaubert. Von der Wirkung geschriebener  Worte.

Habt ihr auch Kinder, die schon lesen können? Schreibt ihr euch ebenfalls Briefe? Wenn nicht, müsst ihr das unbedingt mal ausprobieren.

Ich grüße euch und wünsche euch einen schönen Freitag!

Nina

 

 


10 Gedanken zu “Von Briefen und leuchtenden Kinderaugen

  1. Das ist wirklich eine super Idee! Muss ich mal unbedingt ausprobieren… Meine Tochter wird sich sicher auch so freuen…
    Ein schönes Wochenende noch…
    Gruß von der früheren „Baby-Schwimmkurs-Mutti“ 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, das glaube ich. Mir ist gesterb auch erst klar geworden, dass das ja jetzt nun geht. Und als sie dann heute morgen meinen Brief laut vorlas (unterbrochen vom stolzen Lächeln)…. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sich das anfühlte. Liebes-Nirwana. Das muss es gewesen sein.

      Gefällt 1 Person

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