Ein Gespräch mit der Zeit

Ich: „Liebe Zeit, lass uns mal kurz sprechen, ja?“

Zeit: „Klar. Was gibt’s?“

Ich: „Weißt du, ich… Wie soll ich es dir sagen?… Ich… Ich möchte… dassdustehenbleibst.“

Zeit: „Ach, die Bitte wurde schon so oft an mich gerichtet. Gerade Eltern bitten mich oft darum.“

Ich: „Da schau‘ an. Und ich dachte jetzt, meine Bitte würde dich wundern oder ärgerlich machen.“

Zeit: „Nein. Nein. Ich möchte meine Zeit nicht mit Ärger verplempern. Dafür bin ich zu kostbar. Kleiner Gag am Rande, Herzchen. Warum möchtest du, dass ich stehen bleibe?“

Ein Baum. Ob der jetzt hier hin passt oder nicht ist fraglich. Schön isser trotzdem.
Ein Baum. Ob der jetzt hier hin passt oder nicht ist fraglich. Schön isser trotzdem.

Ich: „Weil gerade alles gut ist. Alles ist gut. Ich habe die zwei wundervollsten Kinder, meinen Traummann an meiner Seite. Ich liebe mein Leben. So. Wie. Es. JETZT. Ist. Meine Kinder sind noch klein. Voller Hoffnung, voller Träume, voller Energie, voller Leben. Zu sehen wie schnell sie wachsen erschreckt mich so oft. Manchmal schmerzt es sogar. Würdest du stehen bleiben, würde alles bleiben wie es ist. Keiner wird verletzt, keiner wird krank. Alles bliebe gut.“

Zeit: „So. So. Und du denkst, dass würde dich glücklich machen?“

Ich: „Ja, klar. Sonst würde ich dich ja nicht fragen!“

Zeit: „Was denkst du – worum deine Kinder mich bitten würden?“

Ich: „Ähm. Na ja. Ich bin nicht sicher.“

Zeit: „Du sprachst von der Hoffnung deiner Kinder, von ihren Träumen, von ihrem Leben. Was würde daraus werden, wenn ich stehen bleiben würde?“

*meine Schultern sinken und ich hab da was ins Auge bekommen*

Zeit: „Du vertraust mir nicht.“

Ich: „Nein. Momentan nicht.“

Zeit: „Warum nicht? Wovor hast du Angst?“

Ich: „Vor so vielem. Ich weiß, was du bringen kannst. Aufgaben denen ich nicht gewachsen bin.“

Zeit: „Hm. Du hast Angst vor Aufgaben, die du noch nicht kennst. Von denen du nicht mal weißt, welche es sein werden. Was ist denn mit der Freude über die Dinge, die dir noch widerfahren werden? Ist die nicht toll?“

Ich: „Freude… Klar ist die toll. Aber die Angst ist größer.“

Zeit: „Die Angst ist nicht größer. Du lässt ihr gerade nur mehr Raum. Mehr Raum als deiner Hoffnung, Zuversicht, Freude und Neugier zusammen.“

*die Zeit reicht mir eine rosa Brille*

Zeit: „Probier’s mal hiermit. Die hast du kürzlich verloren.“

Ich: „Du bleibst also nicht stehen. Nicht mal kurz.“

Zeit: „Nein. Jetzt noch nicht. Komm, Schätzchen. Lass uns weiter gehen und schauen wie wir gemeinsam durch’s Leben surfen. Lass uns das Leben feiern. Ich kann so arschgeil sein. Vergiss das nicht!“


5 Gedanken zu “Ein Gespräch mit der Zeit

  1. Pipi inne Augen! Und zum Schluss entlockst du mir wieder ein Lächeln 🙂

    Aber ich glaube die Zeit hat dir etwas verschwiegen:

    Sie bleibt manchmal stehen – für einen kurzen Augenblick. Immer dann, wenn dein Herz warm wird, du tiefer einatmest und die Augen schließt. Immer dann wenn sich Momente wie Ewigkeiten anfühlen und du sie in dein Herz schließt.
    Und dann bleibt die Zeit nicht nur stehen, sondern sie macht noch etwas ganz besonderes: sie verwandelt sich in Erinnerungen und die bleiben für die Ewigkeit – was ist da schon Zeit?

    Kuss an dich

    (und tritt der Zuversicht mal in den Arsch!)

    Gefällt 1 Person

    1. Oh, du hast so recht! Das stimmt wirklich. Letztens habe ich eine ziemlich coole Dekoidee dazu gesehen. Eine Wand, mit einem Foto eines solchen Ereignisses (Geburt der Kinder, Hochzeit, etc) und darunter hing jeweils eine Uhr, die „stand“.

      Küssken ins Käskoppland 😘

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