Deine Hausgeburt. Eine Geschichte mit Happy End. Und mit einem Unhappy End.

#meineGeburtmeineEntscheidung

Der folgende Text ist ein Geburtsbericht unserer zweiten Tochter. Diesen Text schrieb ich aus mehreren Gründen:

  • Um die Geburtsgeschichte meiner Tochter festzuhalten. Für sie selbst, für mich und für andere, interessierte Eltern.
  • Um ganz klar aufzuzeigen, dass ich ohne die Begleitung unserer Hebamme, meine Tochter nicht zuhause hätte zur Welt bringen können und sich die sehr angespannte Situation nach der Geburt unserer ersten Tochter nicht so schnell entspannt hätte.
  • Um das „Schreckgespenst Geburt“ zu enttarnen. Zu zeigen, dass eine Geburt etwas ganz wundervolles, einzigartiges, berauschendes sein kann. Mit der richtigen Begleitung an eurer Seite.
  • Um auf die Situation der Hebammen aufmerksam zu machen. Sollten sich die Probleme nicht lösen (insbesondere die Festlegung angemessener Haftpflichtprämien für Hebammen), wird es bald, (u.A.), nur noch die Option geben, im Krankenhaus zu entbinden. Ohne Beleghebamme.  Dazu findet ihr zwei informative Texte bei Andrea Harmonika und bei Susanne von geborgen wachsen.
  • Gute Hebammen sind Künstlerinnen. Auf die wir Frauen angewiesen sind. 

midwife


Mein liebes Ki2nd,

ich genoss die unproblematische Schwangerschaft mit dir. Ich hatte kaum Beschwerden und habe es von Anfang an geschafft zu vertrauen. Ich hatte Vertrauen in meinen Körper, in deinen Körper, in die Schwangerschaft, in unsere Hebamme und in unsere Ärztin. Zusammen waren wir ein starkes Team. Und davon mal ganz abgesehen, hatte sich der Glaubenssatz „Es kommt, was kommen soll“ in mich eingebrannt. Ich war tiefenentspannt. Mir wurde klar, wie wertvoll die Begleitung durch unsere Hebamme nach der Geburt deiner Schwester war. Diese wunderbare Frau hat es geschafft, aus einem unsicheren Nervenbündel wie mir, eine Frau zu machen, die sich vertraut. Die dem Leben vertraut.

Von Anfang an waren wir entschlossen, dass wir nur die 3 großen Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt machen lassen würden. Alle Anderen sollte unsere Hebamme übernehmen. Denn diese sollte deine Geburt, bei uns zuhause begleiten. Natürlich unter der Voraussetzung, das bis zum Ende der Schwangerschaft nichts dagegen spräche. Und das tat es zum Glück nicht. Wir waren beide bei voller Gesundheit.

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2010/ Zur Vorsorge bei unserer Hebamme. Deine Schwester half fleissig mit.

Aber eine Hausgeburt? Viele waren entsetzt, als ich ihnen von unserem Wunsch erzählte. Wie oft hörte ich: „Wie mutig!“ Aber reflexartig dachte ich mir: „Warum mutig?“ Ja, ich fühlte mich sogar etwas angegriffen, wenn ich das hörte. Denn implizierte der Begriff mutig nicht, dass ich bewusst zusätzliche Risiken eingehen würde? Nein. So naiv war ich nicht. Ich war mir sicher, dass eine gesunde Schwangere, die ein gesundes Kind in sich trägt, zuhause mit einer erfahrenen Hebamme am besten aufgehoben ist. Deshalb antwortet ich häufig etwas trotzig: „Mutig? Ich würde eher sagen feige. Zu feige um als gesunde Schwangere ins Krankenhaus zu fahren. Das brauche ich nicht nochmal.“ Dann schauten mich viele nur noch verwirrt an.

Du hast dir Zeit gelassen. Wie deine Schwester damals. Am 4. Tag nach dem vorausgesagten Entbindungstermin, waren wir auf einem Kindergeburtstag eines Freundes deiner Schwester. Mir ging es super und ich hatte noch weit und breit keine Anzeichen erster Wehen. Leider. Wurde die Schwangerschaft doch langsam beschwerlich.

Um 16 Uhr, beim Biss in einen Muffin (es war ein Schoko Muffin, dessen Geschmack ich bis heute nicht vergessen habe), zog es zum ersten Mal in meinem Bauch. 30 Minuten später, musste ich Gespräche schon kurz unterbrechen, um den Schmerz zu veratmen. Ich merkte schnell, dass du dich auf den Weg machen wolltest. So zog ich um 17 Uhr deine Schwester an, rief deinen Papa an, dass er sich aus dem Büro auf den Weg nach Hause machen sollte und wir verabschiedeten uns vorzeitig von dem Geburtstag. Ich scherzte noch, dass wir abends, zum Grillen, dann zu viert wieder da sein würden. Ich konnte nicht ahnen, dass das im Grunde tatsächlich theoretisch funktioniert hätte.

Deine Oma, meine Mama, rief ich auch an, da sie während deiner Geburt auf deine Schwester aufpassen sollte. Die Wehen wurden so schnell stärker, dass ich auf einer Strecke von 1,5km zweimal mit dem Auto anhalten musste, weil ich mich vor Schmerzen nicht mehr auf die Fahrt konzentrieren konnte. Als wir zuhause ankamen, war Oma schon da. Deine Schwester war ein wenig verwirrt. Sie konnte mit ihren 20 Monaten nur schwer verstehen, warum ich mich plötzlich so komisch verhielt. Ich lief langsam durch die Wohnung. Stütze mich immer wieder auf die Küche und veratmete die Wehen. Zunächst zögerte ich zwar noch, unsere Hebamme anzurufen, merkte aber ganz schnell, dass die Wehen nun Schlag auf Schlag kamen. Mir blieb zwischendurch nur wenig Zeit für Erholung.

Als ich unsere Hebamme um 18.00h anrief sagte sie: „Ich höre aus deinen Worten, dass es schnell geht. Ich bin gleich da!“ Dein Papa war in der Zwischenzeit auch angekommen. Oma fuhr dann mit deiner großen Schwester zu sich nach Hause. Unsere Hebamme kam um 18.30h bei uns an. Sie erklärte Papa was er vorbereiten sollte. Eine Schüssel mit warmen Wasser und einen Waschlappen. Sie überprüfte deine Herztöne und lies mir dabei die Freiheit, die ich brauchte. Ich vertraute ihr. Blind. Ich lief weiter durch die Wohnung und hockte mich immer wieder auf unseren niedrigen Wohnzimmertisch. Etwa um 18.40h setzen die Presswehen ein.

Unsere Hebamme bereitet im Wohnzimmer alles für die Geburt vor. Aber mich zog es weiter. Ich lief intuitiv. Ganz unbewusst. Im Badezimmer, über die Badewanne gebeugt, fühlte es sich für mich am besten an. Hier blieb ich. Hier wurdest du geboren. Um 19:12 Uhr. Nach nur 4 Presswehen, war es geschafft. Du erblicktest das Licht der Welt. Und ich habe mich, wie die stärkste Frau dieser Welt gefühlt. Die allerstärkste Frau dieser Welt. Die es geschafft hat, ein Kind auf diese Welt zu bringen. Allein. Dieser Stolz. Den ich nur empfinden konnte, weil uns eine Hebamme begleitete, die die hohe Kunst beherrschte mir das Gefühl zu geben alles allein gemacht zu haben.

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Geschafft!

Nachdem deine Nabelschnur aufgehört hatte zu pulsieren, durchtrennte dein Papa sie. Himmel. Wir waren die wohl stolzesten Eltern dieser Welt! Und sind es heute noch!

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Einen Tag jung.

Wir legten uns ins Wohnzimmer auf die Couch. Deinem Papa blieb nur noch zu sagen: „So. Und jetzt brauche ich ´ne Pizza.“

Klingt nach einem Happy End, oder? Quasi.

Leider gibt es aber auch ein Unhappy End. Ein sehr unhappy end: Denn deine Hebamme hat aufgehört ihrem Beruf nachzugehen. Eine Frau, die so wertvolle Arbeit für Familien geleistet hat. Die ihren Beruf nicht mehr ausüben kann, weil er ihr kein angemessenes Einkommen einbringt. Unsere Hebamme ist leider kein Einzelfall. Ich hoffe so sehr, dass das Ruder noch rumgerissen wird. So das auch du einmal die Chance haben wirst, wenn du es denn möchtest, dein Kind an dem Geburtsort DEINER WAHL zur Welt zu bringen. Das ist für uns Frauen, für junge Familien, von unschätzbarem Wert.

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So sieht übrigens das U-Heft nach einer Hausgeburt aus. Traurig zu sehen, dass Hausgeburten in diesem Heft nicht vorgesehen sind, oder?

Ich liebe dich, mein Kind. Mehr als in Worte zu fassen ist. Deine Mama.


18 Gedanken zu “Deine Hausgeburt. Eine Geschichte mit Happy End. Und mit einem Unhappy End.

  1. Ein richtig schöner Geburtsbericht ♡.
    Ich bin meinen Hebammen auch unendlich dankbar die mich bei der Geburt unserer Kinder wundervoll in der Schwangerschaft,beim Gebären und im Wochenbett begleitet haben (vor allem beim Gedanken an die Hausgeburt unserer Tochter fühle ich mich heute noch gestärkt)
    Gebären und geboren werden ohne Hebammen ist für mich nicht vorstellbar.
    Danke für deine Worte!
    Liebe Grüße.
    Daniela

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  2. Danke dass Du Deinen Geburtsbericht teilst. Ich wollte das auch schon längst mal machen.
    Unsere Hausgeburt war auch so heilend, denn meine Zwillinge sind im Krankenhaus per Kaiserschnitt geboren worden und das war traumatisch. Ich wurde auch oft schief angesehen, wenn ich sehe klar sagte dass Kind3 zu Hause zur Welt kommt. Ob ich keine Angst hätte, wurde ich gefragt.
    Meine Antwort war drauf sehr klar: meine größte Angst ist, dass ich wieder im OP lande und somit ist das eine ganz einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung für mich – 33% Kaiserschnittrate in Krankenhäusern und 6% bei Hausgeburten.
    Übrigens müssen auch einige Krankenhäuser ihre Geburtsstationen aufgeben, da sie freiberufliche Hebammen für ihre Kreissäle haben und die gibt es ja leider bald nicht mehr. 😦
    Das bedeutet nicht nur dass jeder ins Krankenhaus muss, sondern dass man auch unter Umständen sehr weit fahren muss zu einer großen Klinik. 😦

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    1. Man kann es wirklich nicht oft genug sagen – aber was mit den Hebammen geschieht grenzt an einen Super GAU.

      Ich freue mich zu hören, dass du auch eine so wundervolle Erfahrung machen durftest. Du sagst, die Hausgeburt war heilsam für dich. Das sind genau die richtigen Worte. Ich habe es ebenso empfunden.

      Viele Wunden der ersten Geburt, die geheilt sind. Deshalb bin ich in einigen Momenten sogar dankbar für die schwierige Geburt unserer ersten Tochter. Denn nur deshalb eröffnete sich für uns die Möglichkeit, über eine Hausgeburt nachzudenken.
      Die hätte ich sonst nämlich weiterhin als „zu gefährlich“ eingestuft, ohne mich damit genauer auseinander gesetzt zu haben.

      Danke, dass du einen Teil deiner Geschichte mit mir hier teilst. Ich bin gespannt, auf deinen ausführlichen Bericht!

      Ich sende dir viele Grüße!

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      1. Ich nehme es in Angriff. 😄 Viel wichtiger wäre es allerdings mal einen Geburtsbericht der ersten Geburt zu schreiben. Das wäre ganz gut so als Aufarbeitung.
        Aber ich habe wirklich meinen Frieden gemacht mit und durch die Geburt der Jüngsten… Na ich werde berichten. 😉

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  3. Liebe Nina,
    Ich wollte meinen Sohn im Geburtshaus bekommen, was für mich eine schöne Alternative zu Krankenhaus und Hausgeburt darstellt. Zu Hause wollte ich nicht, da ich irgendwie das Gefühl hatte, ich möchte an einem „speziellen Ort“ gebären, aber halt nicht in einem Krankenhaus. Das Geburtshaus und seine Hebammen waren so wunderbar und ich bedauere sehr, dass ich dann doch ins Krankenhaus musste, wegen Blutungen. Da sind die Hebammen in den Geburtshäusern natürlich auch sehr vorsichtig und gehen keine Risiken ein. Im nachhinein war es eine schrecklich schmerzhafte Geburt und ich habe mich im Krankenhaus alleine gelassen gefühlt. Während ich schrie und meinem armen Mann fast den Pulli zerriss, war von der Hebamme keine Spur, es war einfach zuviel los und sie haben wohl nicht gedacht, dass es bei mir plötzlich von 0 auf 100 los gehen konnte. Fremde Hebammen, die mich nicht kannten, dauernd wechselten und unterbesetzt waren…ich weiss nicht, was daran so hilfreich sein soll. Jetzt wünsche ich mir nichts mehr, als die zweite Geburt im Geburtshaus haben zu können… Allerdings gibt es solche massiven Probleme fūr die Hebammen, dass mich einfach nur die Wut packt. Wir haben ein Recht darauf zu entscheiden wo wir unsere Kinder gebären und ob eine Frau sich im Krankenhaus oder im Geburtshaus oder zu Hause sicherer fühlt, das ist allein ihre Entscheidung. Danke für deinen schönen Erfahrungsbericht, bei dem mir auch die Tränen kamen. Wie oft im Leben erlebt man schon dieses Wunder Geburt? Sollte es dann nicht umso bedeutsamer und liebevoller gestaltet werden? Lasst uns für die Hebammen kämpfen! Ich bin nach einem Tag regelrecht aus dem Krankenhaus geflohen und habe mich zu Hause von meiner wunderbaren Hebamme pflegen lassen. Jedem das Seine.
    Liebe Grüße und danke!
    Marie

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    1. Liebe Marie, deine Worte berühren mich sehr. Es tut mir leid, dass du auch so unschöne Erfahrungen machen musstest. Schade, dass dich keine Hebamme aus dem Geburtshaus begleiten konnte. Mit unklaren Blutungen ist man natürlich im Krankenhaus besser aufgehoben. Keine Frage.
      Nur ist es leider wirklich oft so, dass die menschliche Zuwendung im Krankenhaus deutlich zu kurz kommt. Einfach, weil auch die Hebammen stark unterbesetzt sind. Und wenn dann noch die Chemie zwischen der Schwangeren und der diensthabenden Hebamme nicht stimmt… Kacke. So ging es mir damals auch. Die Hebammen hatten Schichtwechsel und die Nachtwache begrüsste mich mit den Worte: „Na, in meiner Schicht wird das wohl nix mehr.“ Das ist unfassbar aufmunternd, wenn man selber schon am Ende seiner Kräfte angekommen ist.

      Es freut mich aber sehr, dass zum einen bei dir scheinbar kein ernsteres Problem vorlag und zum anderen, dass deine Nachsorgehebamme dann wieder für euch da war, um euch gut aufzufangen.

      Ich drücke dir alle meine Daumen, dass die Geburt eures zweiten Kindes (bist du derzeit schwanger?) ruhiger verläuft.

      Danke, dass du deine Geschichte ein wenig mit mir geteilt hast.

      Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet, Nina

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  4. Hallo Nina,
    deine Geschichte erinnert mich sehr an die wundervolle Hausgeburt meiner dritten Tochter – mit einer Hebamme als Begleitung, die einfach wundervoll war! Die mich unterstütze, mir meinen Glauben an mich und den Gang der Natur zurück gab und uns allen dieses Erlebnis ermöglichte.

    Wir waren ihre letzte Hausgeburt (März 2011) und ich könnte heulen, wenn ich daran denken, dass diese Hebamme ihre Berufung aufgeben musste. Ich könnte heulen, wenn ich an all die Frauen denke, denen diese Möglichkeit genommen wurde. Und ich könnte heulen, wenn ich daran denke, dass meine 3 Töchter vielleicht in vielen Jahren keine Wahl des Geburtsortes mehr haben und sich alternativlos der Maschinerie im Krankenhaus aussetzen müssen. 😦

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    1. Hallo Ina, schön zu hören, dass ihr auch so eine tolle Erfahrung machen konntet.
      Ich wünsche mir auch nichts mehr, als das Hausgeburten irgendwann wieder zur Normalität werden. Aber das bleibt wohl ein Traum. Das Mindeste wäre aber, das man die Freiheit behält, sein Kind zuhause zur Welt bringen zu können.

      Lass uns weiter hoffen. Und über unsere Geschichten sprechen. Auf das sich etwas ändert!

      Ich grüße dich ganz herzlich, Nina

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  5. Danke, Tabea! Oh ja, ich hoffe innigst, dass sich an der Situation für Hebammen noch etwas verändern wird. Man kann den Wert ihrer Arbeit kaum in Worte fassen. Und muss es auch am eigenen Leib erleben, wie wichtig eine gute Begleitung ist. Früher, bevor ich Kinder hätte, habe ich darüber geschmunzelt, wie sehr Hebammen „gehyped“ werden. Bis ich selber eine brauchte. Und jetzt bin ich der Hebammen-Hyper schlechthin 🙂

    Herzliche Grüße, Nina

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  6. Deine wunderbare Geschichte treibt mir die Tränen in die Augen.
    Es ist so ungewiss, wie wir Frauen zukünftig gebären werden. Ob wir es noch aus eigener Kraft dürfen. Hier zu Hause bei uns in Deutschland.

    Werden wir zu Geburts-Nomadinnen werden, nur um unserem Recht auf Selbstbestimmung wahrzunehmen?

    Wie werden wir selbst zukünftig und später unsere Kinder die Geburt erleben.

    Mit mir ging übrigens ein Seufzen durch, als ich die herzliche Beschreibung deiner Tochter las ❤ … so etwas habe ich in der Klinik noch nie in einem solchen Heft gelesen …

    ~Tabea

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  7. Ich finde es wirklich bewundernswert, dass du dich für eine Hausgeburt entschieden hast. Und vor allem finde ich es Wahnsinn, dass du mit Wehen noch Auto gefahren bist! Und natürlich ist es unglaublich schön, dass die Geburt so wunderbar und reibungslos funktioniert hat ^_^
    Auch bei uns hätte von meinem Gesundheitszustand und dem meines Sohnes nichts dagegen gesprochen eine Hausgeburt zu machen, doch da unsere Geburt im Endeffekt 14 Stunden gedauert hat sowie eine Saugglocke und 4 Ärzte benötigte, war ich doch froh in einem Krankenhaus entbunden zu haben. Das wäre daheim bestimmt nicht möglich gewesen…ich hätte nie gedacht, dass die Geburt so verlaufen würde und war schon recht traurig, weil ich sie nicht als wunderbar, magisch oder sonst was erlebt habe sondern einfach nur schmerzhaft und lang…Das tut mir immer noch leid…Wie wäre es bei euch daheim gelaufen, wenn Komplikationen aufgetreten wären?

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    1. Hallo Stefanie,
      danke für deine Worte! Ja, es war wirklich Wahnsinn, dass ich mit den Wehen Auto gefahren bin. Im Grunde war das von mir total verantwortungslos. Da die Geburt unserer ersten Tochter sich so lange hingezogen hat, und die Intensität der Wehen auch nur langsam zugenommene hat, konnte ich einfach nicht glauben, dass ich diese kurze Strecke nicht eben allen fahren konnte. Zum Glück kamen wir sicher zuhause an.

      Es tut mir leid zu hören, wie die Geburt deines Kindes verlief und das du darunter leidest. Eine Geburt wie du sie beschreibst, habe ich bei unserer ersten Tochter erlebt. Für mich war das ein wirklich traumatisches Erlebnis. Sowohl die Situation im Krankenhaus und im Anschluss daran auch. Ich kam gestresst und entmutigt nach Hause. Unsere Tochter wurde nach einigen Wochen zum Schreikind. Es war eine furchtbar anstrengende und unschöne Zeit. Unsere Nachsorgehebamme half mir beim Verstehen der Situation. Wir arbeiteten die Geburt auf. Damit half sie mir mich selbst, aber auch meine Tochter zu verstehen.

      Mir wurde bewusst, dass die Krankenhaus Situation uns beide unnötig gestresst hat. Ich konnte im Krankenhaus nicht „loslassen“. Irgendwann konnte ich nicht mehr. Die Wehen kamen, aber taten ihren Dienst nicht. Ich bekam eine PDA, dann wehenfördernde Mittel und so begann die unnötige Interventionskaskade. 14 schreckliche Stunden. Zwischendurch unterschiedliche Ärzte und Hebammenwechsel. Stress pur. Wie soll man unter Stress ein Kind bekommen? Wie soll der Kopf loslassen, um die Geburt ans Laufen zu bringen?

      Ich wusste, dass meine Nachsorgehebamme auch Hausgeburten begleitete und in der Aufarbeitungszeit wurde uns klar, dass unser nächstes Kind, mit IHR, bei uns zuhause zur Welt kommen sollte. Es war ein langer Prozess bis zu dieser Entscheidung.

      In den meisten Fällen zeichnen sich Risiken entweder vor der Geburt ab, dann kommt eine Hausgeburt natürlich nicht in Frage, oder langsam im Verlauf der Geburt. Dazu ist die Hebamme da, um unter der Geburt deine Vitalwerte und die des Kindes zu überprüfen. Sollten sich Unregelmäßigkeiten abzeichnen würde die Hebamme entscheiden, besser ein Krankenhaus aufzusuchen.
      Sind Mutter und Kind wohlauf, ist eine Hausgeburt ebenso sicher wie eine Klinikgeburt. Dennoch hat die Hausgeburt in den meisten Fällen noch einen großen Vorteil – sie kommt ohne medizinische/ medikamentöse „Eingriffe“ aus. Das ist in den meisten Krankenhäusern eher die Seltenheit. Und die „Eingriffe“ bringen dann wieder Risiken mit sich, die ohne sie nicht entstanden wären.

      Eine Geburt bedeutet loszulassen. Dafür muss man sich wohlfühlen und vertrauen. Das ging bei mir am besten zuhause.

      Ich grüße dich herzlich! Nina

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      1. Ach das erinnert mich wirklich sehr an unseren Geburt…da ich länger im Krankenhaus bleiben musste, hatten wir nicht die Möglichkeit eine Hebamme nach Hause zu holen (die im Krankenhaus war furchtbar). Wäre im Nachhinein aber besser gewesen…vielleicht hätte ich die Geburt besser aufarbeiten können, dazu kam dass das alles so stressig für mich war ach psychisch, dass das Stillen gar nicht funktioniert hat (dazu kam, dass die Schwestern ihm ohne mein Wissen 2 Flascherln gegeben haben in der Nacht)…das alles belastet mich noch immer sehr. Ich finde es wirklich toll, dass du dich nach so einer Geburt für eine Hausgeburt entschieden hast!! Ich glaub, das würde ich mich nicht trauen….

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