Unsere Kinder sind aus dem Gröbsten raus

Ein Plädoyer für den Genuss der Baby- und Kleinkindzeit. Denn: Sie geht vorbei.

Gut, das ist jetzt vermutlich keine bahnbrechende Aussage meinerseits. Aber ich muss gestehen, dass ich die Worte „Sie sind aus DEM GRÖBSTEN raus“ erst seit Kurzem so wirklich, also so RICHTIG, verstehe. Lange Zeit waren diese Worte für mich Hülsen. Leer und irgendwie abgedroschen. Derzeit ertappe ich mich immer wieder dabei zu denken: „Ja, jetzt sie sind wirklich aus dem Gröbsten raus.“ Und manchmal füge ich gedanklich hinzu: „Wie schade!“. Des Öfteren aber auch: „Zum Glück!“

gysenb
Herbst 2013

Das Wort „grob“ mag implizieren, das wir über eine unangenehme Zeit sprechen. Nein, das ist nicht das, was ich meine, wenn ich an die Baby- und Kleinkindzeit mit meinen Kindern zurück denke. War es doch eine Zeit voller Neuerungen und Wunder. Aber sind wir mal ehrlich. Das ganze ist durchaus anstrengend und sehr einnehmend. Es gab Zeiten da dachte ich: „Ja, jetzt ist es wohl zu Ende, dein Leben. Jetzt bist du Mutter. Voll eingespannt und nicht mehr Herr Frau deiner Selbst. Total fremdgesteuert.“ Dass sich die Zeiten rasant ändern würden, habe ich dabei oft übersehen. Hätte mich das Wissen darum, die eine oder andere fordernde Situation doch gelassener hinnehmen lassen. Vermutlich.

Aber, wann ist das jetzt genau passiert, dass sie aus dem Gröbsten raus sind?

So richtig begonnen hat es für mich mit dem Eintritt in den Kindergarten (mit 3 Jahren). Einen weiteren großen Sprung gab es nochmal zwischen dem 4. und 6. Lebensjahr. Unser Ki1nd ist nun 6 (bald 7) und unser Ki2nd 4 (bald 5) Jahre alt. Und ich kann sagen, sie sind aus dem Gröbsten heraus. (Wobei mein Unterbewusstsein ob einer solchen Aussage mit gehobenem Zeigefinger flüsternt vor mir: „Sei vorsichtig mit deinen Worten. Die Pubertät wird eines Tages Einzug erhalten.“ We will see.)

Was war es nun für mich genau. Das Gröbste?

  • Die Stillzeit: So wunderbar die Zeit ist, so stark ist man als Mutter auch an sein Kind gebunden. Ich weiß dass es Zeiten gab, in denen ich mir nichts sehnlicher wünschte, als meinen Körper endlich wieder nur für mich allein zu haben. Zu der körperlichen Bindung, kam die zeitliche Komponente. Ich habe nach Bedarf gestillt. Tag und Nacht. Häufig. Phasenweise bis an meine körperlichen Grenzen (sagt, die Drama Queen in mir). Zeit für mich allein war kaum einzurichten. Erinnerte mich dann der Spannungsgrad meiner Brüste sehr schnell daran, wo ich hingehörte.
  • Der Schlaf: Unsere erste Tochter war über eine lange, lange Zeit eine sehr schlechte Schläferin. Es gab Nächte, in denen wir kein Auge zugetan habe. Das zerrte. An uns allen. Es ist zwar immer noch so, dass unsere Mädels um ca. 6:00h wach werden, nur müssen wir dann nicht sofort parat sein.
  • Der Mittagschlaf: Auf der einen Seite ist dieser eine großartige Erfindung. Hat man mittags doch mal etwas Zeit um durch zu schnaufen den Haushalt zu schmeißen. Auf der anderen Seite, war ich zeitlich immer eingeschränkt. Meine Unternehmungen mussten immer so geplant werden, dass wir zeitig zuhause waren oder Auto fuhren. Denn was den Mittagschlaf anging, waren unsere Kurzen ziemlich penibel. Fiel er aus, war der Nachmittag…. Suboptimal. Sehr suboptimal. Natürlich schlafen unsere Mädels mittags schon lange nicht mehr. Dafür aber ich 😉 Ich kann mittlerweile ein Äuglein (oder des Öfteren auch mal zwei) zudrücken, und sie sprechen mich an, wenn sie mich brauchen. Ansonsten spielen sie ruhig um mich herum.
  • Fortbewegung: Oh ja. Die Zeit des Tragens war schön. Aber auch lang. Mein Rücken hat da doch so das ein oder andere Mal Rabatz macht. Und womit? Mit Recht! Der Arme. Die Zeit in der es mit dem selbstständigen Laufen losging war natürlich auch noch aufregend. Man musste seine Augen überall haben. Und zwischendurch wurde man fordernden Reflextests ausgesetzt. Seit beide Kinder sicher und allein Laufen konnten, ging es mit dem „aus dem Gröbsten“ heraus kommen, rasant weiter.
  • Die Wickelzeit: Klar, auch das war immer etwas umständlich. Musste man doch immer mit angemessenem „Gepäck“ unterwegs sein um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Insbesondere die erste pampersfreie Zeit, bot da so einige Tücken. Mittlerweile leistet der Busch am Spielplatz ganz hervorragende Dienste. Und eine Wechselhose brauchen wir auch schon lange nicht mehr mit uns führen.
  • Die Kommunikation: Auch das war ein großer Meilenstein. Seit die Mädels sprechen können, bzw. sich genauer mitteilen können sind sie deutlich zufriedener und umgänglicher. Gut, dafür müssen wir heute diverse Diskussionen über „Sommerkleider im Winter“, den Schokoladenkonsum oder über unsere Anti-Barbie Haltung führen. Aber das passt schon. Zu mindestens droht im Anschluss kein ausartender Heulkrampf durch eine noch verminderte, verbale Kommunikationsfähigkeit.
  • Thema Beschäftigung: In der Zeit vor dem Kindergarten ist mir zwischenzeitlich die Decke auf den Kopf gefallen. So plante ich für den Nachmittag meistens irgendwas. Sei es einen Gang zum Spielplatz, ein Treffen mit Freunden (vorzugsweise Freunde die Kinder im ähnlichen Alter hatten), ein Besuch bei der Familie, ein Schwimmbadbesuch. Oder, oder, oder. Ich musste vor allem mich selbst beschäftigen. Aber da ich ja mit Nachwuchsanhang unterwegs war, waren alle Ausflüge natürlich kleinkindgerecht. Und darin ging ich nun auch nicht immer so voll drin auf.

Und jetzt? Wie sieht es bei uns aus, wo die Mädels nun aus „dem Gröbsten“ raus sind?

Ich mach es mal kurz: Wir können am Wochenende morgens ausschlafen. Zwar werden wir früh geweckt, können aber ohne Probleme noch 2 Stunden im Sich-Schlafen-Stellen-Modus liegen bleiben. Die Mädels gehen derweil zusammen spielen. Wenn wir aufstehen, geht Ki1nd Brötchen holen. Die Kinder ziehen sich alleine an. Sie legen sich abends Sachen raus. Sie putzen sich allein die Zähne. Sie holen sich etwas zu essen, wenn sie zwischen den Mahlzeiten hungrig sind. Wir schleppen keine Rucksäcke voller Nahrung und Bekleidung mehr mit uns. Ich kann ohne Probleme ein Mittagsnickerchen machen, weil die Kinder sich wunderbar allein beschäftigen können (Meistens. Zu mindestens ohne drohende Körperverletzungen untereinander). Nachmittags ist es hier sogar oft zu ruhig, weil sie sich immer häufiger mit Freunden treffen. Wenn ich mal krank bin oder mich ein fieser Migräneanfall heimsucht, kann ich sagen „Ich bin raus. Lasst mich bitte in Ruhe“. Hier ist nicht mehr ständig irgendwer krank. Die Kinder räumen ihre Zimmer alleine auf. Und so weiter und so fort. Ziemlich lässig hier. So alles. Also, das Meiste.

Und? Wie hört sich das jetzt an? Nach Eltern-Wonderland, oder? Jaha, ein bisschen ist es auch so. Sehr sogar. Aber wisst ihr, dafür schleichen sich nun hin und wieder die Gedanken an ein drittes Kind ein. Wie intensiv könnte ich ein Baby nochmal wahrnehmen! Wie könnte ich diese bezaubernde Zeit genießen! Wie gerne würde ich nochmal stillen und dabei am Baby schnuppern. Hach, ja.

Aber dann schaltet sich mein Kopf ein der sagt: „Alles ist gut. Genieße deine neu gewonnen Freiheit und den damit offenen Weg in eine neue berufliche Zukunft.“ Denn JA, da freue ich mich sehr drauf. Sehrsehrsehr.

So hat halt jede Phase im Leben ihre Vor- und Nachteile.

Macht’s euch schön! Vor allem ihr Jungmamas unter euch.

Nina


10 Gedanken zu “Unsere Kinder sind aus dem Gröbsten raus

  1. Die Großen sind aus dem „Gröbsten raus gewesen“ und dann haben wir nochmal von vorne angefangen mit der Jüngsten. 😊 Das hat schon an manchen Tag dazu geführt, dass wir uns fragten warum eigentlich wollten wir ein drittes Kind.
    Aber es ist natürlich auch so schön mit ihr, dass wir tatsächlich die Familie komplett gemacht haben mit ihr. Und nach der sehr anstrengenden Zeit mit den Zwillingen genieße ich es sehr mich nur um ein Baby/Kleinkind zu kümmern.

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  2. Mir geht es auch manchmal noch so dass mir die Decke auf den Kopf fällt. Seit ich Mama bin brauche ich immer etwas zu tun, wie ein Duracell Häschen. Mein Kind braucht das aber eigentlich gar nicht…haha hier geht es um Mama bespaßen. Wir sind auch noch im Gröbsten drin mit 18Monaten aber ich liebe es, denn es geht wirklich alles viel zu schnell rum. Aber du hast ja eine sehr aufregende Zeit vor die mit deinem neuen Baby dem Studium, ich wünsch dir da unglaublich viel Kraft.
    Liebe Grüsse
    Dani

    Gefällt 1 Person

  3. Ach schön.
    Schön geschrieben und auch ein schöner Motivationspost. Mit 16-monatigen Zwillingen bin ich wohl noch mittendrin im „Gröberen“, und es ist erleichternd zu hören, dass die Dinge nicht immer so bleiben wie sie sind. Auch wenn ich die Zeit durchaus genießen kannst – wie Du schreibst, ist es auch sehr einschränkend und fordernd.

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    1. Schön! Und ich kann mir gut vorstellen, wie es mit 16 Monate alten Zwillingen ist. Also, in Ansätzen zumindestens 😉. Was ich derzeit ganz besonders toll finde, und das wird ja dann bei euch auch der Fall sein, dass die beiden Kurzen sich haben. Zum Spielen, Streiten, Austoben. Irgendwann wirst du sicher auch merken, dass ihr die „Früchte ernten könnt“. Für eure ganze Kraft und Mühe, die ihr derzeit sät.
      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag euch!

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