Die Fesseln der Sicherheit

Ich fand kürzlich diesen Text wieder, den ich vor einigen Jahren schrieb. Spannend, mal wieder alte Gedanken von sich zu lesen.

Du hast mich eingehüllt. Schützend liegst du über mir. Durch deinen zarttransparenten Stoff kann ich das Leben sehen. Kann die Menschen spüren, die an uns vorbeihetzen. Ich bin dir dankbar. Das ich dich tragen darf. Denn ich habe Angst, ein Teil der unbehüteten, ziellosen Menschen zu werden. Die ihn nicht tragen, meinen Mantel. Die sich keine Gedanken um ihre Zukunft machen. Die von der Hand in den Mund leben. Die, die sich keine Sorgen um die Zukunft machen. Wie dumm, von ihnen. Nichts kann mir hier, bei dir, passieren. Ich atme ruhig. Unter dir. Unter meinem Mantel der Sicherheit.

Manchmal bist du schwer. Weißt du das? So schwer, dass mir das Atmen zunehmend schwerer fällt. Mir ist warm und ich schwitze. Weißt du, es ist schrecklich langweilig, immer mit dem gleichen Mantel rum zu laufen. Mit einem Mantel der bleiern über meinen Schultern liegt und mir Kraft raubt. Mich nicht schnell, flink und wendig sein lässt. Klar, das war der Deal als ich mich entschied dich zu tragen. Nur. Wie komme ich eigentlich darauf, dass ich dich ständig tragen muss?

Passen dazu, kam er gestern mal wieder. Der Bescheid der deutschen Rentenversicherung. Das sind ja mittlerweile so Briefe über die ich schmunzeln muss. Früher öffnete ich diese Briefe noch ganz gespannt. Brauchte ich doch eine Rechtfertigung für den Beruf den ich ausübte. Einen Grund für die viele sinnfreien Stunden im Büro. Ja. Ich hatte mal ein ordentliches Einkommen, mit welchem ich am Ende meiner Arbeitstage eine noch ordentlichere Rente erhalten hätte. Plus Firmenrente. Versteht sich. Man muss die Marionetten Mitarbeiter ja bei Laune halten.

RenteHeute ist das etwas anders. Ich nehme diese Briefe gar nicht mehr ernst. Meine gesetzliche Rente, wird durch meinen Lebenswandel auf ein Minimum schwinden. Da brauche ich mir nichts vormachen. Zwar sorge ich privat noch ein wenig vor und verheiratet bin ich ja auch noch, aber wer weiß, ob Björn nicht doch irgendwann zu viel von mir hat und sich sein Junggesellen leben zurücknimmt. Oder sich mit ’ner hübschen Blonden an seiner Seite irgendwo an einem ruhigen See niederlässt. Wobei – vielleicht entscheide ich mich auch irgendwann wieder für ein Leben in freier Wildbahn. Wer weiß das denn schon? Was ist denn schon sicher in diesem Leben?

Hätte mich meine Arbeit glücklich gemacht, wäre ja alles fein gewesen. Tolle Arbeit, tolles Einkommen, tolle Rente. Was will man mehr? Das Problem war, dass meine Arbeit mich am Ende des Tages unzufrieden zurück lies. Wofür reibe ich mich auf? Wofür arbeite ich eigentlich? Für den Profit eines riesengroßen Konzerns? Für mein Einkommen am Ende des Monats? Für meine Rente? Nein, ich war nicht zufrieden. Aber was würde mich denn zufriedener machen? Diese Frage war ja mindestens genauso schwer zu beantworten.

Nun gab es zwei Möglichkeiten für mich:

Ich bleibe Angestellte mit schickem Einkommen und schicker Rente, in der Annahme, ich könnte mein Leben bis zur Rente planen und mein monatliches Einkommen bringt mir die nötige Zufriedenheit, Sicherheit und Ruhe.

ODER

Ich scheiß auf mein Einkommen und auf meine Rente und fange an, mein Leben zu leben. Höre auf, mein Leben in Berufstätigkeit und Rentenzeit einzuteilen. Fange an das zu tun, was ich schon immer mal machen wollte. In der Annahme, dass nichts in diesem Leben sicher ist. Außer dass ich sterben werde. Und dabei möchte ich dann aber bitte zufrieden mit den Tagen sein, die ich auf dieser Welt verweilen durfte.

Klingt das jetzt zu theatralisch? Kann sein. Ich bin manchmal halt ´ne Drama Queen.

Fakt ist: Ich habe keine Ahnung was kommt. Ich habe auch keine Ahnung, welche Rente mich später erwarten wird. Ich habe auch keine Ahnung, ob ich das Rentenalter jemals erreichen werde. Ich habe von so vielem keine Ahnung. Zum Glück habe ich aber mittlerweile eine Ahnung davon, was mich am Ende des Tages zufrieden sein lässt.

Ich habe mich also gegen ein Leben in vollgefurzten Büros mit vielen unzufriedenen Menschen entschieden. Stattdessen für ein Leben in vollgepupsten Krankenhäusern. Das ist doch mal ein Deal!

Versteht mich nicht falsch – es ist gut seinen Verstand zu nutzen. Es ist aber fatal, wenn der Verstand ständig das Bauchgefühl übertönt. So wie er das bei mir lange getan hat. Zum Glück nicht lang genug.

Ich wünsche euch, dass ihr auch euern Platz gefunden habt und zufrieden seid. Im HIER und JETZT.

Cheerio, ihr Lieben. Macht’s besser!


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