Familie und andere vermeidbare Stressfaktoren

Aus aktuellem Anlass, vielmehr aus aktuellen Anlässen, habe ich mir ein paar Gedanken zur Familie gemacht.

Mein Mann und ich. Wir kommen aus völlig normalen Familien. Mittelklasse Ruhrpott-Familien. Quasi, der Opel unter den Familienwagen. Solide. Nicht immer schön. Aber praktisch. Die durchschnittliche Ruhrpott Familie zeichnet sich dadurch aus, dass es manchmal derbe, aber zumeist offen und ehrlich untereinander zugeht.

Wir haben Omma und Oppa. Mama und Papa. Die getrennt sind. Zum Teil schon seit vielen Jahren in neuen Partnerschaften oder Ehen leben. Brüder und Schwestern. Schwager und Schwägerinnen. Nichten und Neffen. Cousins und Cousinen. Halbschwestern und Halbbrüder. Onkel und Tanten. Und Haustiere. Artgerecht gehalten, versteht sich. Also, die Tiere.

Ein Konglomerat völlig verschiedener Menschen, die sich, wären sie nicht Teil einer Familie, nicht kennen, wahrscheinlich zum Teil nicht mal besonders mögen würden.

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Quelle: Pixabay

Es gibt Streitigkeiten. Verständnislosigkeit. Unfaire Diskussionen. Es gibt Phasen des Schweigens. Der Tränen und lauten Worte. Es gibt rollende Augen. Gemeine Scherze. Und immer wiederkehrende Vorwürfe. Eine Familie ist ein Spannungsfeld. Ohne Frage.

Eine Familie ist auch ein riesengroßes Lernfeld. In einer Familie wirst du sozialisert. Ob du willst oder nicht. Sagen wa ma‘ so – im Normalfall zu mindestens. Was auch immer der Normalfall jetzt ist… Ach kehr. Is doch mein Blog hier. Da erhebe ich jetzt mal keinen Anspruch auf glasklare Formulierungen.

In einer Familie lernst du mit Konflikten umzugehen. Einfach weglaufen ist nich‘. Auch wenn man manchmal versucht ist, sich bei irgendjemandem nicht mehr zu melden. Weil es müßig ist, weil es stresst. Weil man andere Sorgen hat und sich denkt: „Ich muss mir das Leben nicht durch euch schwerer machen. Ihr versteht mich doch sowieso nicht.“ In einer Familie lernst du auch, dich fallen zu lassen. Du zu sein.

Anhang 1(11)

Im Grunde wirft uns das Leben in ein großes, gemeinsames Boot.

Und das Leben so: „Hier habta. ´N Boot und ´n paar Ruder. Gute Fahrt.“

Und wir so: „Ja, wie jetzt, Leben? Und wo sollen wa hin? Mit denen? Ist nicht dein Ernst.“

Und das Leben so: „Doch. Is‘ mein Ernst. Guckt doch selbst.“

Da rudert der Eine mal in die eine, der Andere in die völlig andere Richtung. Zwischendurch hüpft jeder mal auf sein Rettungsboot. Weil er einfach kein Bock mehr auf die Anderen hat.

Ohne Frage, es gibt auch Familienkonstellationen, die einfach nicht miteinander funktionieren. Dann ist es zu einem bestimmten Zeitpunkt okay zu sagen „es geht nicht“. Miteinander. Wir sollten es nur lange probieren. Und solange beide Parteien gewillt sind, aufeinander zu zugehen, bin ich sicher, dass es Wege gibt. Wirklich schwierig wird es erst, wenn die Harmonieinitiative einseitig ist.

So schwierig und anstrengend Familie manchmal auch sein kann, so umwerfend sind dann diese Momente im Leben, wo man merkt – Familie ist alles. Familie ist das, was am Ende des Tages zählt. Familie sind die, die am Ende deiner Tage neben dir stehen. Familie sind die, die in schweren Zeiten an deiner Seite stehen. Familie sind die, die dich kennen. In guten, wie in schlechten Zeiten.

Ich habe euch lieb, ihr lieben mitlesenden (und nicht mitlesenden) Familienmitglieder. Gut, die nicht Mitlesenden natürlich ein bisschen weniger. Ist ja klar. *Scherz!* (Für die, die meine Ironie nicht verstehen. Is inner Familie manchmal so. Hab ich mir sagen lassen.)

Euer Ninschen


6 Gedanken zu “Familie und andere vermeidbare Stressfaktoren

  1. Ich habe gerade den zweiten Teil meiner Ausbildung zur „Kinderschützerin“ hinter mir. In den letzten beiden Tagen habe ich mich ausschließlich damit beschäftigt, wie grausam es in Familien zugeht. Wo es Geheimnisse gibt, die niemals weitererzählt werden dürfen, in denen Kinder aus der Familie genommen werden, weil sie auf Dauer darin nicht überleben können, in denen Kinder aber auch sterben oder in denen Kindern durch Prügel, die man sich nicht einmal vorstellen will oder sexuelle Handlungen demonstriert wird, „wer am längeren Hebel sitzt“.

    Nach den zwei Tagen hat mich dein Artikel geerdet und mir gezeigt, dass es diese ganz normalen Familien gibt, in den es zwar auch Streit und Auseinandersetzungen gibt. Aber Liebe und Zueinandergehörigkeit und das Annehmen anderer Charaktere hat Priorität.

    Ich bin bin froh und dankbar auch zu so einer Familie zu gehören. Ich bin froh, dass ihr auch so eine Familie habt ♡

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    1. Hey meine Liebe,
      von dieser Ausbildung habe ich bisher noch nie etwas gehört. Spannend. Und mutig. Das wäre eine Aufgabe, die ich mir für mich nicht vorstellen könnte. Umso dankbarer bin ich für Menschen, die so etwas machen. Wirklich bewundernswert!
      Zum Glück sind wir mit ganz normalen Familienverhältnissen gesegnet.
      Liebste Grüße, Nina

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  2. Hey, ich hoffe mal dass bei Dir und deiner Familie alles ok. ist. Es ist schon richtig was du schreibst Familie sollte alles sein ABER es geht eben nicht immer, die Diskrepanzen sind manchmal einfach zu groß um Sie wieder ins Reine zu bringen. Wenn deine eigene kleine Familie leiden würde dann würdest du dich für Sie entscheiden oder???
    Aber trotzdem, ich kann’s nur immer wieder sagen, Du schreibst soooo schön

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    1. Danke dir ❤️ Ich freue mich sehr, dass du hier mitliest!
      Und ich stimme dir absolut zu, dass sich Situationen ergeben können, in denen ein Abbruch des Kontaktes sinnvoll ist. Das haben wir leider auch innerhalb unserer Familie.
      Ich denke nur, dass man nicht zu früh „aufgeben“ sollte. Vielmehr sollten wir in solchen Fälle , das Lernfeld Familie voll und ganz auskosten 😉
      Herzliche Grüße an dich!

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