Da sind’se wieder – Mütterliche Selbstvorwürfe

Ich hatte einen unfassbar tollen Plan für heute. Eigentlich wollte ich einen durchdachten und sogar ansatzweise intelligenten Artikel über das Berufsbild des Arztes schreiben, verknüpft mit der Frage, warum es manchmal ganz schön schwer ist einen Arzt zu finden, dem man aus vollem Herzen vertraut. Erst recht, einen Kinderarzt. Gut.

Dann kam da aber wieder dieses besagte Leben dazwischen, welches meine Pläne verachtend zerrissen hat. Durchdacht schreiben is‘ heute also nich‘. Da muss erstmal ein Haufen Mutteremotionen raus, bevor ich wieder klar denken kann. Ihr kennt sie, diese Mutteremotionen. Oder? Von ganz oben, nach ganz unten in Sekunden. Nich‘ immer schön. Passiert aber. Des Öfteren. Also, bei mir.

Life happens while you’re making plans.

Ich sage absichtlich MUTTERemotionen, obwohl ich doch die totale Gleichstellungsbefürworterin bin. Das is‘ aber jetzt hier echt so’n Frauendingens. Glaube ich. Ihr Herren der Schöpfung entschuldigt also bitte. Und die Damen, denen solche Aussagen die Nackenhäarchen hochtreiben, auch, ja!? Mein Nackenhaare stehen auch ein ganz kleines bisschen, infolge einer solchen Aussage. Aber ich bleibe dabei. Und weil ich gerade total emotional bin, macht ’ne Diskussion mit mir gerade eh nicht so viel Sinn.

Ich schweife ab. Scheinbar eine geschickter Schachzug meiner Psyche sich selbst zu schützen. Wollte ich doch hier mal kurz ’nen emotionalen Striptease hinlegen.

Ich leg mich jetzt kurz auf eure Therapeutencouch, wenn ihr gestattet. Weil ich mich auskotzen muss. Über mich selbst. Nicht schön. Hilft aber.

Heute Nacht überrannte mich eine Horde tonnenschwerer Selbstvorwürfe. So langsam aber sicher, sammle ich gerade meine Körperfetzen wieder ein und setze sie zusammen.

Etwas Eigenartiges geschah. Ein Töchterlein begann fürchterlich zu weinen. Sie weinte und weinte und weinte. Zwar war sie bedingt ansprechbar, gab aber keine Antwort. Das Verhalten hatte „Nachtschreck“ ähnliche Züge, nur war das Weinen bei Weitem kein panisches Weinen. Eher ein Wimmern. Irgendwann antwortet sie auf meine Frage, sagte aber nur, dass sie selber nicht wüsste, warum sie weinte. Das zog sich über 30 Minuten. Nach einer weiteren Stunde Schlaf, geschah nochmal Ähnliches.

1167439_10200774147009020_1621457471_oLetzte Woche und vorletzte Woche wurde sie 2 x durch Bauchkrämpfe geweckt, die sich erst nach mehrmaligem Übergeben gebessert haben. Ich weiß, dass unser Töchterlein dazu tendiert, Sorgen in sich hinein zu futtern. Ich weiß auch, dass dann ihr Magen rebelliert. Sowohl zu anfänglichen Kindergartenzeiten, als auch zu Beginn der Schulzeit, wurde sie von Bauchschmerzen begleitet.

Unsere Tochter ist ein ganz starkes Gewohnheitstier. Sie liebt Routine und reagiert zögerlich auf Neuerungen oder Veränderungen. Das ist ihr gutes Recht. Leider, bin ich tendenziell das Gegenteil davon. Und unser Leben bietet momentan auch nur bedingte Konstanz, insbesondere durch meine Neuorientierung. Ich war einige Monate komplett zuhause, nun bin ich für einige Monate im Praktikum und bald wird das Studium beginnen, was uns auch nur von Semester zu Semester schauen lassen können wird.

Natürlich habe ich Sorge, dass ich gerade der Auslöser, für ihre innere Unruhe bin. Und frage mich, ob ich gerade einen rücksichtslosen „Egotrip“ gehe. Aber das ausgeschrieben, bin ich mir schon wieder sicher, dass ich das ganz und gar nicht tue. Family first. Ist, bleibt und wird mein Motto bleiben.

Fakt ist: ich kenne die Gründe nicht, die momentan bei ihr zu Unruhe führen. Vielleicht bin ich gar nicht der Grund. Vielleicht sorgt sie etwas in der Schule, vielleicht ist es entwicklungsbedingt. Vielleicht hat sie gestern Nacht einfach schlecht geträumt. Vielleicht ist auch alles gut.

Ganz bestimmt, kommen wir bald wieder in ruhigere Fahrwässer.

So. Nun wo es raus ist. Geht’s besser. Heute Abend werde ich mit meiner Kurzen besonders lange kuscheln und kuscheln und kuscheln. Und wir werden uns erzählen, warum wir glücklich sind und was uns gerade ganz besonders gut gefällt. Aber auch, was uns gerade nicht so gut gefällt (da habe ich übrigens auch mal drüber geschrieben). Und vielleicht, bekomme ich dann einen wertvollen Hinweis. Wenn es denn überhaupt die Notwendigkeit für einen Hinweis gibt.

Danke, für euer virtuelles Ohr. Eure Rechnungen dürft ihr mir gerne zusenden. Aber habt Mitleid mit meinem gebeutelten Portemonnaie.

Auf bald!


15 Gedanken zu “Da sind’se wieder – Mütterliche Selbstvorwürfe

  1. Manchmal muss man einfach weinen. Weil etwas raus muss. Weinen dürfen ist auch ein Recht, man muss nicht immer happy sein. Und manchmal hat es gar nichts mit uns zu tun, sogar meistens nicht.
    Als mein Kleiner ein ganz winzig kleiner Kurzer war, sagte seine Kinderkrankenschwester mir etwas ganz Wichtiges: Trösten heisst nicht, das Weinen des Kindes abzustellen, sondern Trösten heisst, es auszuhalten bis das Kind fertig geweint hat. Das ist das Privileg einer Mutter: Dabei sein und es aushalten.
    Ich umärmel Dich ganz dolle!
    Katharina (die andere, die nie Zeit hat)

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    1. Oh herrje. Liebe Katharina (die, ohne Zeit) – wie tolle Worte und Gedankentreter! Du (bzw. eure Kinderkrankenschwester) hast/ hatte so recht. Das erinnert mich an die so wichtige Unterscheidung zwischen Mitleid und Mitgefühl.
      Ich glaube sogar, dass Kinder uns da einen großen Schritt voraus sind. Indem sie weinen, wenn sie traurig sind. Wie oft schluckt man solche Emotionen als Erwachsener runter!? Kinder „lassen laufen“… Und reinigen sich damit. Mit diesen Worten, werde ich heute Abend beruhigt schlafen gehen.
      Grüße von mich hier, an dich da!

      Btw: irgendirgendwann schreibe ich dir mal auf Französisch 😉 In mir ist noch ein klitzekleines bisschen, passives Wissen, was dringend mal wiederbelebt werden möchte.

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  2. Ich kann das so gut verstehen. Wenn man nachts neben dem weinenden Kind liegt fühlt man sich so hilflos. 😦
    Und diese Selbstzweifel kenne ich auch zu gut…
    Meine Tochter ist dieses Jahr auch in die Schule gekommen und seitdem plagen sie verstärkt Kopfschmerzen. Alle paar Wochen so schlimm dass sie weint und sich dann übergibt.
    Unser Kinderarzt konnte uns helfen mit einem (homöopathischen) Mittel, dass sie nun nimmt.
    Ich hoffe auch bei Euch findet sich vielleicht ein Auslöser und wenn nicht heute, dann vielleicht an einem anderen Tag. Manchmal braucht es bei uns ein bisschen bis sich Informationen aus dem Kinderkopf an die Oberfläche wagen.
    Und falls wir tatsächlich Anteil an solchen Momenten haben, dann haben wir trotzdem keine Schuld, denn wir tun unser Bestmögliches (und darüber hinaus) für unsere Kinder. Fehler sind nur menschlich.
    Liebe Grüße, Anita

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    1. Hallo Anita, ich hören von so vielen Eltern, dass deren Kinder sich insbesondere zu Beginn bzw. im Laufe der Schulzeit mit solchen Dingen wie Kopfweh, Bauchweh, Schlafstörungen rumschlagen. Das stimmt mich sehr nachdenklich. Dieses Schulsystem… Was soll ich sagen… Natürlich hilft das, die eigenen Selbstvorwürfe zum verstummen zu bringen.
      Begleiten wir unsere Kinder bestmöglich auf ihrem Weg.
      Schön zu hören, dass ihr einen Kinderarzt habt, der euch wunderbar durch solche Zeiten begleitet! Ich drücke euch die Daumen, dass es eurer Motte auch weiterhin besser gehen wird.
      Ich habe mich gefreut, von dir zu lesen! 🙂
      Liebe Grüße, Nina

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  3. Hi Nina,meine beiden ‚kleinen’sind ja schon große und doch kann ich dich gut verstehen-sowas kommt bei mir auch manchmal durch-besonders wenn die beiden wenig mit mir reden-dann denke ich auch immer ich bin nicht genügend für sie da-aber ich glaube bei euch nicht das du oder eure neue situation der grund ist-manchmal ist das so 🙂 lg gaby

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  4. Ach du liebe liebe Nina. Ich kann dich so gut verstehen, diese MUTTERemotionen sind ein ganz fieses, blödes, gemeines Dingsbums. Und sorgen immer für dieses andere ganz fiese, blöde, gemeine Dingsbums, das schlechte Gewissen nämlich. Und es ist schon immer wieder krass, was diese kleinen Menschleins mit einem machen. Denn wir ich neulich schon sagte, ich finde es total cool, dass du deinen Weg so gehst, weil du das Gefühl hast, dass es für dich der richtige ist. Klar bringt er für euch als Familie viele Veränderungen mit sich und erschwert einiges und dass die Kinder erst einmal eine Weile brauchen bis sie damit klar kommen, ist auch verständlich. Aber weißt du, vielleicht wäre es noch schlimmer, wenn du deinen alten Job weiter gemacht hättest? Weil du dann ständig unzufrieden gewesen wärst, Überstunden hättest machen müssen und schlecht gelaunt zu Hause ankommst, weil du inhaltlich gefrustet wärstß? Das weiß ich natürlich alles gar nicht genau und schreibe es eigentlich, weil ich das schlechte Gewissensdingsbums ein bisschen kleiner machen wollte. Denn es ist schon irgendwie krass, dass wir Mütter (das nehme ich jetzt auch einfach mal so an) immer gleich alles auf uns beziehen, wenns bei den Kindern nicht rund läuft. Manchmal isses ja in der Tat so, aber halt nicht immer. Und mein allerallererster Gedanke als ich gelesen hab, dass die Kurze heute nach so schlimm geweint hat, war: Sie hat bestimmt schlecht geträumt und hat nicht rausgefunden aus dem Traum. Weil nachts alles gruseliger und unwirklicher ist und selbst Erwachsene das manchmal nicht schaffen (jaajaa!). Vielleicht bist also gar nicht du der Grund?
    In jedem Fall schicke ich dir eine ganz dicke kostenlose virtuelle Umarmung und hoffe, deine Körperfetzen haben sich inzwischen wieder zusammen gefunden. Und für den Fall der Fälle: Schokolade hilft immer (ok, das war jetzt wirklich die unterste Schublade, aber du weißt schon.)
    Deine Katrin

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    1. Das war so gar nicht unterste Schublade von dir! ❤️ Schokoloade hilft wirklich! Und ich habe gerade eben nach ihr gegriffen. Und du bringst es ziemlich auf den Punkt. In klaren Momenten bin ich ganz sicher, dass alles gut ist, wie es ist. Und das ein „planbarer“ Job auch nicht die ultimative Lösung wäre… Und als ich gerade mit einer Freundin darüber sprach bin ich etwas sicherer, dass es evtl tatsächlich einem Traum entsprang, den sie nicht in Worte fassen konnte… Sie hat irgendwas verarbeitet…
      Mein Muttertier ist schon etwas ruhiger geworden. :-*

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  5. Ach Nina, ich bin sicher, du bist eine unglaublich tolle und liebe Mama! Und deine Tochter hat ganz viel Glück mit dir.
    Ich denke, dass es gerade für Mädchen sehr wichtig ist, zu sehen, dass ihre Mütter auf sich selbst schauen und etwas aus ihrem Leben machen. Schließlich sind wir ihre Vorbilder! Wir wollen ja nicht, dass unsere Töchter sich später für ihre Familie selbst verleugnen, oder?
    Und deine Süße lernt jetzt mit deiner (und ihres Papas!) Hilfe, dass Änderungen im Leben gut sind und wie man damit umgehen kann. Das braucht sie früher oder später sowieso – und mit eurer liebevollen Unterstützung wird sie das alles gut schaffen!
    Liebe Grüße,
    Katharina
    PS: Es stimmt. Mein Partner hat auch nie Gewissensbisse wegen der Kinder. Ich schon (aber immer weniger).

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