Ein Segelboot wird getragen vom Wind

Nachdem ich mich damals von meinen Elternbooten entfernte, wusste ich genau, wo es für mich hingehen sollte. Ich segelte in einen nahegelegenen Hafen.

Wisst ihr – ich war nie so das mutigste Segelboot. Ich segelte mal von Küste zu Küste, aber ohne sie jemals aus den Augen zu verlieren. Es war nicht schlecht. Ich traf viele andere Böotchen, die ich mochte. Und irgendwann fand ich sogar THE Boot. Mein Partnersegelboot. Fortan schipperten wir zusammen die Küsten entlang und schauten sehnsüchtig aufs offene, weite Meer. Voller Hochachtung vor der Macht dessen. Bedrohlich wirkte es. Aber auch anziehend. Mal dunkelblau. Mal hellblau. Mal bedrohlich schwarz.

Das Schiff ist sicherer, wenn es im Hafen liegt. Doch dafür werden Schiffe nicht gebaut. Paulo Coelho

Zusammen war es schon viel netter als allein. Und nach gar nicht allzu langer Zeit, wurden uns sogar zwei junge Segelboote anvertraut, die wir von nun an begleiten durften. Bis sie ausgewachsene Segelboote sind. Bereit ohne uns das Meer zu erkunden. Diese Böotchen, die uns erwachsenen Segelbooten an die Seite gestellt werden, kommen übrigens immer in Vollausstattung zu uns. Sie haben alles was sie zum Segeln brauchen. Sie benötigen nur etwas Zeit, um noch zu wachsen und erfahrener zu werden. Dafür brauchen sie Begleiter. Wie uns.

Unsere Jungboote waren abenteuerlustig. Im Hafen fanden sie es langweilig und sie machten uns neugierig. Wir ließen uns von ihrer Übermut anstecken und segelten hinaus. Aufs offene Meer. Wollten wir ihnen doch das Segeln beibringen und nicht lediglich das vermeintlich süße Hafenleben. Wofür waren wir denn sonst Segelboote?

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Quelle: Pixabay

Wir verloren die Küste aus den Augen. Immer wieder. Genossen den Wind. Spielten mit ihm. Lernten aus den Stürmen. Flickten gegenseitig unsere Segel, wenn es nötig war. Lernten uns gegenseitig zu helfen, zu reparieren. Uns auszutauschen und abzustimmen, wie die Segel zu setzen sind. Wollten wir doch in die gleiche Richtung. Wir wurden regelrecht süchtig nach Abenteuern.

Nun ist unser Hafen immer dort, wo wir gemeinsam sind. So segeln wir schon seit einigen Jahren übers Meer. Und unsere Kleinen werden größer und selbstbewusster. Eines Tages werden sie fort segeln. Hin und wieder werden wir uns wiedersehen. Hoffentlich. Irgendwo.

Wisst ihr, im Laufe der Zeit haben wir gemeinsam wichtige Dinge gelernt, die wir uns seitdem auf die Segel schreiben. Sowohl unsere Jungboote, als auch wir. Momentan, steht bei uns folgendes geschrieben:

  • Verliere hin und wieder die Küste aus den Augen. Trau dich. Da draußen warten Dinge auf dich, von denen du nicht zu träumen gewagt hast.

    In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln. Erforsche. Träume. Mark Twain

  • Segel auch mal allein. Gesellschaft ist fein. Aber die Einsamkeit ist ein großer Lehrmeister.
  • Hab keine Angst. Vertraue. Es kommt, was kommen soll.
  • Stürme gehören zum Segeln dazu. Segel sind dazu gemacht, mit dem Wind zu spielen. Konzentriere dich in stürmigen Zeiten. Auf deine Segeltechnik. Verliere nicht die Zuversicht, dass der Sturm vorüber ziehen wird. Du aber wirst mit neu gewonnenem Wissen und Können weiter ziehen.
  • Lass dich beizeiten vom Wind tragen. Und schau, wo er dich hin tragen wird. Genieße die Sonne, atme das Salz.
  • Vergiss aber nicht, dass du die Möglichkeit hast, im Zick Zack gegen den Wind zu segeln. Wenn du ein Ziel hast, dann bringe die Kraft auf.

    Wir können den Wind nicht ändern. Aber die Segel anders setzen. Aristoteles

  • Gib Acht auf dich. Dein Holz möchte gepflegt werden. Deine Segel erneuert werden. Löcher im Rumpf musst du flicken. Bevor du den Hafen verlässt.
  • Geliebte Segelschiffe kannst du niemals mit Seilen an dich binden. Du musst sie frei lassen und genug Abstand halten. Dann werden sie dich weiterhin begleiten.
  • Lass geliebten Schiffe die Möglichkeit, allein hinaus zu segeln. Wenn du ihnen etwas bedeutest, werden sie umso glücklicher und vertrauensvoller zu dir zurückkehren.
  • Schau dir den Sternenhimmel an. JEDEN Abend. JEDEN Abend.

Noch dürfen wir die Zeit mit unseren Jungbooten gemeinsam genießen. Jeden Tag. Voll und ganz. Und ganz sicher werden noch viele Lektionen auf unsere Segel geschrieben. Doch habe ich schon ein wenig Angst vor dem Tag, an dem ich sie ziehen lassen muss. Obwohl ich weiß, dass der Tag kommen wird. Aber ich werde sie voller Vertrauen gehen lassen können. Denn sie sind vollkommen und wissen, worauf es beim Segeln ankommt.


6 Gedanken zu “Ein Segelboot wird getragen vom Wind

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