Mein Jahresrückblick in Bildern und Zitaten (2. Teil)

Den 1. Teil meines Jahresrückblicks findet ihr HIER.

Juli 2014

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll. Georg Christoph Lichtenberg

Ab jetzt ging es Schlag auf Schlag. Am 30. Juni hatte ich ein Vorstellungsgespräch in einem Krankenhaus, und am 01. Juli konnte ich direkt anfangen. Hat es also doch noch geklappt. Unglaublich. Als Familienmanagerin mussteste dann natürlich alles erstmal hopplahopp um planen, war ich ja bis dahin zeitlich sehr flexibel und frei gewesen. Mein Wecker ging ab jetzt also immer um 05:15h (in Worten: fünf Uhr fünfzehn).

Der Juli und die folgende Zeit waren heftig. Zum einen war das Praktikum zu Beginn wirklich kräftezehrend. Ich musste mich an die körperliche Belastung gewöhnen, den neuen Familienablauf und natürlich an das frühe Aufstehen (dazu kommt, dass unsere Mädels nachts noch regelmäßig wach werden). Nebenbei musste ich das letzte Feintuning an meiner Bewerbung für die Uni vornehmen, die ich einen Tag vor Abgabeschluss fertig bekam. War alles ’n bissel knapp, aber hat gepasst. Pfuh…

Anhang 6
Die Praktikantin.

Nach der Arbeit klopfte deshalb häufig meine Migräne an… Und es gab durchaus Tage an denen ich kurz davor war alles hinzuschmeißen. Ich konnte nicht mehr. Da ich Nachmittags oft müde war, hatte ich den Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen. Nichts war eingespielt und die Routine fehlte.

August 2014

Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten. Thomas von Aquin

Nun war ich also Praktikantin. Mit 32. Vor gar nicht langer Zeit, stand ich mal mit beiden Beinen in einem festem Job. Ich habe, unter Anderem, Azubis ausgebildet. Nun war ICH wieder in der „Ausbildung“. Jetzt stand ich da und konnte – NICHTS. Ich fing bei 0 an. Wirklich 0. Ich war auf einer Station für Geriatrie eingesetzt, auf welcher natürlich viel Pflege anfällt. Damit kam ich vorher nie in Berührung. Ich hatte durchaus großen Respekt davor und war gespannt, wie ich damit umgehen könnte.

Meine Kollegen waren durchweg sehr, sehr nett und hilfsbereit. Besser hätte es mich nicht treffen können. Aber ganz ehrlich – ich glaube, sie waren manchmal auch etwas skeptisch, mir gegenüber. Stellt euch das mal vor. Da kommt so Eine, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Die schon 2 Kinder hat, Heilpraktikerin ist (damit haste ja durchaus auch einen Stempel auf der Stirn) und 32 is‘se auch schon. Und die behauptet, jetzt nochmal Medizin studieren zu wollen. Ich habe mich zwischenzeitlich doch selbst für bekloppt gehalten. Ne komische Zeit war das. Irgendwie.

Um etwas zu lernen, muss man es tun, bevor man es kann. Agnes Anna Jarosch

Und immer wenn mich jemand fragte, wer ich denn bin, und ich kurz erklärte dass ich eine neue Praktikantin bin, weil ich Medizin studieren wollte, sah ich natürlich erstmal Fragezeichen in den Augen… Und immer wenn ich sagte, dass ich Medizin studieren möchte, war mir das schon fast selber zu blöd es auszusprechen. War es doch so verdammt unwahrscheinlich irgendwo einen Platz zu bekommen. Manchmal musste ich über mich selber schmunzeln und schüttelte den Kopf. Ich verstand mich nicht. War ich eigentlich verrückt geworden? Woher nahm ich den Mut und das Vertrauen es einfach zu probieren? Ich weiß es wirklich nicht.

Lebe ohne das sich Dein Verstand einmischt.

Ich fand mich in mein Praktikum und all die Aufgaben super ein. Die Arbeit machte mir großen Spaß und meine Lernkurve war steiler als steil. Jeder Tag zeigte mir deutlich: Ja. Das ist es, was du machen möchtest. Ich genoss die Arbeit. Freute mich wie Bolle, dass mir die ganze Pflege rein gar nichts ausmachte (wie ich zuvor befürchtet hatte) und genoss die Zeit mit den Patienten und Kollegen sehr. Sehr. Sehr.

Was die Zeit aber zusätzlich anstrengend machte war, dass ich gedanklich zweigleisig fahren musste. So spukte mir die Selbstständigkeit auch ganz aktiv durch den Kopf. Denn dieser Weg war nach wie vor, der viel Wahrscheinlichere.

Und so ganz neben meinem Praktikumswust, gab es noch ein ganz besonderes Ereignis in diesem Monat. Für unsere große Tochter. Die zum Schulkind wurde. Am 21. August war IHR TAG. Stolz wie Oskar… Für mich war das gar nicht so einfach. So groß is‘ sie schon!? Loslassen ist nicht so meine Stärke, müsst ihr wissen.

Capture my interest and you wont need to worry about my attention span. Maria Montessori

1. Schultag
1. Schultag

Ich befand mich im Gefühlsnirvana. Irgendwie war alles ’n bissken viel. Viel neu. Alles anders. Alles puh. Ich wünschte mehr Klarheit zu bekommen und Routine.

Dann war da noch mein Blog, den ich begann aufzusetzen. Mein Kopf war so voll und leer zu gleich, dass ich ein Ventil brauchte. Mein Blogventil.

Wovor hast Du Angst? Was kann Dir die Welt schon anhaben? Die Leute können höchstens über Dich Lachen und das tut Ihnen gut, denn Lachen ist immer eine gute Medizin. Osho

Irgendwann. Auf FB.
Irgendwann. Auf FB.

September 2014

Wandel und Wechsel liebt, wer lebt. Richard Wagner

Mein Praktikum lief super weiter. Jeden Tag freute ich mich aufs Neue. Auch wenn es anstrengend war.

Am Abend arbeitete ich mich weiter in WordPress ein. Ich begann es zu verstehen und saß stundenlang vorm Laptop, um an meinem Blogdesign zu basteln. Pfuh… Noch ne Lernkurve die steil anstieg.

Oktober 2014

Ich habe mir nie vorgenommen, zu schreiben. Ich habe damit angefangen, als ich mir nicht anders zu helfen wusste. Herta Müller

Mein Blog ging online. Und ich habe mir deshalb fast inne Bux gemacht. Was hatte ich für große Sorgen, mich zum Vollhorst zu machen. Aber ich merkte, wie gut mir das Schreiben und Bloggen tat. So entschied ich mich kurzerhand, an einem Schreibworkshop von Barbara Pachl-Eberhardt teilzunehmen. Kernthema war das kreative Schreiben. Was für ein Tag. So wertvoll. So erkenntnisreich. Der Tag bestätigte mich sehr darin, dass das Schreiben für mich ein wunderbarer Weg ist, zu mir zu finden. Klarer zu werden. Selbstbewusster und ausdrucksstärker. Kurz danach, schrieb ich diesen Text, über Trauer.

Und dann, hatte ich einen kurzen Moment in dem ich dachte okay, jetzt weißt du wo es lang geht. Ich bekam eine Absage von meiner Traumuni. Klar, war ich im ersten Moment enttäuscht. Aber da ich mich auch wirklich auf eine Selbstständigkeit als Heilpraktikerin freute, blieb die Enttäuschung nur kurz. So fokussierten sich nun all meine Gedanken auf die Selbstständigkeit.

Die Absage
Die Absage

Das Praktikum genoss ich zwar nach wie vor sehr, aber da ich meine Kräfte nun anders bündeln musste, entschied ich mich, das Praktikum zu beenden. Einen Tag, nachdem ich im Krankenhaus alles geklärt hatte, bekam ich überraschenderweise eine erneute Nachricht von der Uni. Ich wurde nun doch über das Nachrückverfahren zum Auswahlwochenende eingeladen.

Nachgerückt.
Nachgerückt.

Ich hüpfte wie der Duracell Hase den ganzen Tag durchs Haus. Vor Freude. Aber wo war die Stop-Taste? Ich brauchte mal doch auch mal ’ne Pause!? Wieder alles umorganisieren.

Wenn viel um mich herum passiert, ist der Blick aufs Meer unwahrscheinlich heilsam. Da der Meerblick hier im Pott zu wünschen übrig lässt, fuhren wir kurzentschlossen ans Meer. Um durchzuatmen und den Kopf frei zu bekommen.

Durchatmen in Holland.
Durchatmen in Holland.

November 2014

Ich legte eine Praktikumspause für 2 Monate ein, da ich merkte, dass wir (als Familie) etwas Ruhe brauchten.

Family first.

Das war mein Motto und wird es auf meinem weiteren Weg immer sein.

Sollte die Uni mich nun doch nehmen, würde ich im Januar/Februar weiter machen können und käme dann dennoch auf die 6 geforderten Monate. Ich bin so dankbar dafür, dass das Krankenhaus mir da unwahrscheinlich entgegen kam. Oft fragte ich mich, womit ich das alles verdient habe. Warum alles so fluppt.

Der November kam nun mit 3 Wochenenddates für mich daher, an denen ich nicht für meine Liebsten da sein konnte. Denn es war schon lange geplant, dass ich an einem Wochenende mit Freundinnen nach Wien fliege. Kinderlos (auf meiner Reise entstand übrigens ein Artikel über ein total nerviges Kind). Außerdem hatte ich mich vor Monaten für einen Taping Kurs angemeldet (in Vorbereitung auf eine Selbstständigkeit als Heilpraktikerin), der am letzten November-Wochenende stattfand. Und nun kam noch das Auswahlwochenende für die Uni dazu.

3
Wien, Taping Kurs, straff organisiertes Auswahlwochenende

Und was hat man da so, als Mutter? Genau. ‚N verdammt schlechtes Gewissen. Und Lippenherpes. Vom ganzen Stress.

Das Auswahlwochenende war… Interessant. Anstrengend. Bereichernd. Natürlich hatte ich eine ordentliche Grundanspannung. Dennoch hatte ich nichts zu verlieren. Es war ein Versuch. Also war ich verhältnismäßig gelassen. Von Freitag bis Sonntag hatten wir Bewerber 2 Einzelgespräche zu führen, an 5 Gruppendiskussionen teilzunehmen und einen eigenen Vortrag zu halten. Als ich am Sonntag nach Hause fuhr war ich fertig wie ’n Brötchen.

„It’s impossible.“ said pride. „It’s risky.“ said experience. „It’s pointless.“ said reason. „Give it a try.“ whispered the heart.

Da wir das letzte von insgesamt 3 Auswahlwochenende waren, sagte man uns, dass wir im Laufe der kommenden Woche Bescheid bekommen sollte. Kehr, war das spannend. Das war so‘n bisschen wie zu Kinderwunschzeiten. Die Hibbelei, ob man nun schwanger ist oder nicht.

Und dann. Dann. Dann kam sie. Die lang ersehnte Nachricht. Und sie begann mit den gleichen Worten, wie meine erste Absage. Meine Laune ging in den Keller und in Sekunden wieder gen 7. Himmel. Denn ich las weiter. Und dann stand da etwas, was ich nicht verstand. Ich hatte den Platz. Ich hatte den Platz. Ich habe einen Studienplatz an meiner Traumuni. Ich habe geweint, gezittert und getanzt. Die Kinder saßen zu der Zeit am Esstisch. Könnt ihr euch ihren Blick vorstellen? Verstört wäre zu milde ausgedrückt. Ich erklärte meinen tränenreichen, emotionalen Ausbruch und dann tanzten wir gemeinsam. Meine Große freute sich, dass Mama nun sozusagen auch wieder ein Schulkind sein würde.

Die unglaubliche Zusage.
Die unglaubliche Zusage.

Dezember 2

Zufriedenheit ist ein stiller Garten, in dem man sich ausruhen kann. Ernst Ferstl

Durchatmen. Geniessen. Nichts tun. Ruhe. Weihnachtsvorbereitung. Schreiben. Vollstes Kontrastprogramm zu den Vormonaten.

dezember

Résumé

Was für ein Jahr. Voller Veränderung. Im Januar geht es also wieder los. Als Pflegepraktikantin. Im April beginnt mein Studium. Mal schauen, wo mein Weg mich hinführen wird. Ich bin gespannt. Und glücklich. Was für eine Lebensachterbahn. Was für ein Jahr.

Wünsche

Das Neue ist Dir noch fremd. Es kann ein Freund sein oder auch ein Feind, wer weiß. Niemand kann das sagen. Du kannst es erst wissen, wenn Du das Neue zulässt. Osho

Was kommen wird, weiß ich noch nicht. Ich freue mich riesig darauf. Auf all die neuen Menschen und Erfahrungen. Wo mein Ziel sein wird, dass weiß ich heute nicht. Das werde ich niemals wissen. Ich muss nur Schritt für Schritt meinem Herzen folgen. Dann komme ich dort an, wo ich mich wohl fühlen werde.

 


5 Gedanken zu “Mein Jahresrückblick in Bildern und Zitaten (2. Teil)

  1. Warum folgen wir Deinem Blog?
    Interessant, sympathisch, authentisch kommt’s rüber. Sehr gut geschrieben, man kanns wirklich gut nachfühlen. Ich hätt auch nicht gedacht, dass mir das mal bei einem Frauenblog passiert. Und mir (57) wird bewusst, dass mein Energielevel mit Anfang 30 (2 Jahre Umschulung, 30-Mann-Klasse, ich Gesichtsältester) zwar 4 mal so hoch war wie heute, aber mit Deinem nicht im Ansatz konkurrieren kann. Sowas geht wahrscheinlich nur, wenn man morgens 2 Löffel Plutonium frühstückt, oder wie machst Du das?
    Manfredo

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    1. Mein Lieber, danke! Wie schön zu hören, dass ihr mir gerne folgt. Zum Frühstück bevorzuge ich übrigens ein ganz schnödes Müsli. Mit Schuss 😉
      Nein, nein. Das klappt alles wohl nur, weil ich meinen Mann, meine Familie und Freunde habe, die mich allesamt unterstützen. Ich weiß manchmal auch nicht, wie die das mit mir aushalten.

      Ich bin aber ganz sicher, dass das jeder packen würden, wenn es sein Herz genauso erfüllt, wie es das bei mir tut.

      Ich wünsche dir und deinen Herzensmenschen schöne, ruhige Feiertage.

      Bis ganz bald. Nina

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  2. Aloha, meine liebste Heul-Susi! Nein, nein. Nicht falsch verstehen. Heul-Susi zu sein wegen (wie du schriebst) „guter“ Emitionalität ist wunderbar! ❤ Das bin ich auch ganz schön verdammt oft. Ich hoffe, dir geht es einigermaßen gut!?

    Danke, für deine vielen Worte. Und dafür, dass du meine Freude teilst. Das ist so schön.

    Ja und die lieben Leserlein – ich kann gar nicht abschätzen, was jetzt viel oder nicht viel ist. Ich freue aber über jeden Einzelnen, der meinen Blog liest, abonniert hat oder mich bei FB "verfolgt". Und toi, toi, toi; bisher bin ich nur netten, fairen Menschen begegnet.
    Was ich hin und wieder mal mache, sind Werbeanzeigen bei FB. Habe zunächst überlegt, ob man sich damit "Leser kauft". Was ich ja so ganz und gar nicht möchte. Aber durch die Werbeanzeigen wird ja dennoch niemand gezwungen meinen Blog zu lesen. Ich winke ja quasi nur mal in die virtuelle Runde und lade zu mir ein. Wer mag, darf dann natürlich herzlich gerne bleiben 😉
    Und dann hatte ich noch das große Glück, das der ein oder andere Artikel von anderen Bloggern (unter anderem auch sehr bekannten) wie Stadt,Land,Mama, Lucie Marshall, Bea von der Tollabox, Familienbetrieb, Alina von Liebling ich blogge jetzt und Rike (von muttergefühle.gesamtausgabe) geteilt wurde.
    Da habe ich mir vor Freude natürlich fast in die Bux gemacht 😀 So eine Ehre.

    Ich bin jeden Tag aufs Neue überwältigt, dass es überhaupt Menschen gibt, die meine Worte lesen möchten. Das ist quasi so wie Weihnachten. Nur jeden Tag.

    ACHTUNG: Eine dicke, virtuelle Umarmung dürfte dich gleich erreichen. Von mir.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend
    Nina

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  3. Du weißt du was? Ich habe in den letzten Wochen schon so viel geheult. Und seit gestern Abend, als ich erfahren habe, dass Udo Jürgens gestorben ist, einen permanenten Kloß im Hals (ja, vielleicht ist das kitschig. Aber Udo war in der Familie meines Mannes etwas ganz besonderes und die ist ja nun fast nicht mehr da. Und Udo nun auch nicht mehr. Das nimmt mich einfach mit.) und jetzt, beim Lesen deines Textes, spätestens im November, als du deinen Studienplatz bekommen hast und ich so gut nachempfinden kann, wie sich das anfühlt und weil ich mich einfach ganz ganz doll für dich mitfreue, laufen die Tränen. Menno. Aber: Toll, toll, toll, ich freu mich wirklich riesig für dich. Und es ist so schön, dass dir das Leben ein Zeichen gegeben hat, obwohl du mit beiden Alternativen glücklich gewesen wärst. Ich bin gespannt, wie deine Geschichte weiter geht und freue, sie hier und überall in dieser schönen virtuellen Welt verfolgen zu können.
    Aber eines musst du mir noch verraten: Wie hast du es denn innerhalb soooo kurzer Zeit geschafft, soooo viele Leser und Fans zu gewinnen? Das ist ja mega!

    Gefällt 1 Person

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