Homöopathie and me

Ich habe lange überlegt, ob ich mich zu diesem Thema äußern möchte. Denn letztendlich wurde schon so viel über das Thema diskutiert, dass es vielen zu den Ohren raushängt. Auch mir. Aber… Mich beschäftigt die Frage weiterhin: Was veranlasst Menschen dazu, homöopathische Mittel zu nehmen? Ich kann nicht für andere sprechen. Und schon gar nicht, im Zusammenhang mit einem durchaus emotional belasteten Thema, zu welchem es kein Richtig oder Falsch gibt. Deshalb formuliere ich meine Frage um:

Was veranlasst MICH dazu, homöopathische Mittel zu nutzen, obwohl es keinen Wirkungsnachweis gibt?

Zunächst eine Klarstellung zum besseren Verständnis. Grundsätzlich gibt es zwei verschieden Kategorien von homöopathischen Mitteln gibt:

  • Die Niedrigpotenzen: in denen Stoffe der Ursubstanz noch nachweisbar sind. Das ist bei vielen Mitteln bis zu einer D4 Potenz der Fall. Bei einigen sehr giftigen Ursubstanzen, können D3 Potenzen sogar noch giftig sein. Diese gelangen selbstverständlich nicht in den Handel. Ich möchte damit nur aufzeigen, dass die Begründung der Wirkung von homöopathischen Mitteln in diesen Potenzbereichen durchaus noch auf die beinhaltete Stoffe zurückzuführen ist. (Zur Info: Auch die Menge einiger im Körper natürlich vorkommenden Hormone, bewegen sich im homöopathischen Bereich).
  • Die Hochpotenzen: in diesen weiter potenzierten, als noch stärker verdünnten Mitteln, ist kein stofflicher Nachweis der Ursubstanz möglich. Das sind alle homöopathischen Mittel ab D6 und damit selbstverständlich auch die „bekanntesten“ Hochpotenzen C30 und C200.

Bei meinen weiteren Überlegungen, beziehe ich mich auf die homöopathischen Mittel aus der zweiten Kategorie. Dies sind die Mittel, über die sich die Welt streitet. Niemand weiß wie sie wirken. Stand heute: wirklich niemand. Es gibt einige Erklärungsansätze, die ich persönlich sehr spannend finde und deren Ausarbeitung ich auch gespannt mitverfolge. ABER (!) eigentlich interessieren mich die Erklärungsansätze gar nicht. Und genau damit sind wir beim Punkt: Es interessiert mich gar nicht, wie der wissenschaftliche Wirkungsnachweis ist. Echt nicht. Die Homöopathie ist eine Erfahrungsheilkunde. Heißt, viele Menschen haben damit ihre Erfahrungen gemacht, gute wie schlechte, und daraus ist über viele Jahre ein System entstanden. So weit so gut.

Viel wichtiger finde ich aber noch, meine eigenen Erfahrungen mit der Homöopathie, die mich weiterhin völlig überzeugt diese Mittel nutzen lassen.

So einfach ist das für mich! Es gibt für mich viel zu viele Dinge auf dieser Welt, die wir uns nicht/ noch nicht erklären können. Da beunruhigt es mich ganz und gar nicht, dass niemand die Homöopathie erklären kann.

“If people sat outside and looked at the stars each night, I’ll bet they’d live a lot differently. ”

aus Calvin und Hobbes von Bill Waterson

Ich möchte euch meine persönliche Haltung, zu den 3 wichtigsten Argumenten der Homöopathie-Kritiker mitgeben:

1. Die Homöopathie ist gefährlich, weil sie Menschen davon abhält, wichtige Therapien in Anspruch zu nehmen.

Jein. Diesem Argument stimme ich bedingt zu. Es ist richtig, dass grundsätzlich die Gefahr besteht, dass Menschen gewisse Erkrankungen nicht ernst genug nehmen und einen unausweichlichen Arztbesuch zu lange hinauszögern. Deshalb glaube ich persönlich auch, dass die Anwendung der Homöopathie in die Hände erfahrener Ärzte, Heilpraktiker oder Hebammen gehört, die für ihre Patienten rechtzeitig andere schulmedizinische Therapien in die Wege leiten. Wusstet ihr eigentlich, dass die Ausbildung zum Heilpraktiker eine rein schulmedizinische Ausbildung ist? Und das Heilpraktiker noch dazu, eine verdammt anspruchsvolle Prüfung ablegen müssen? Schaut euch an, wo der/die betroffene Heilpraktiker(in) gelernt hat. Hat er eine umfangreiche Ausbildung genossen, könnt ihr euch vertrauensvoll in seine/ ihre Hände begeben.

Außerdem ist die Homöopathie, für mich persönlich, KEINE ALTERNATIVE sondern eine KOMPLEMENTÄRE Therapieform. Soll heißen, dass ich sie in Fällen nutze, in denen ich noch keine schulmedizinische Behandlung brauche bzw. um eine schulmedizinische Behandlung damit zu ergänzen.

Homöopathie Bild

2. Die Wirkung der Homöopathie beruht rein auf dem Placebo Effekt.

Joa. Was soll man dazu sagen. Erstenes: Placebos sind toll und sie wirken. Schluss. Aus. Mickey. Maus. Zweitens: Hat mir dann aber noch kein Homöopathie-Kritiker plausibel erklärt, warum sie dann auch bei Tieren und Säuglingen wirken.

3. Homöopathen haben viel mehr Zeit für ihre Patienten, die sich dadurch besser aufgehoben fühlen. Somit sind sie nichts anderes als ein Psychotherapeut.

Es ist sicherlich nicht abzustreiten, dass dies mit Sicherheit ein ganz wichtiger Aspekt der homöopathischen Behandlung ist. Es tut gut, sich Dinge von der Seele zu reden und gehört zu werden. Etwas, was in unserer Gesellschaft leider viel zu kurz kommt. Dennoch nutzen viele Menschen die Mittel auch ohne einen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren. Ich, zum Beispiel. Und dennoch erzielt die Behandlung ihre Erfolge.

Soweit zu meiner Haltung zu den Top 3 Gegenargumenten.

Was mich am meisten an der ganzen Diskussion ärgert, ist die Parteibildung. Sowohl seitens vieler Heilpraktiker, die auf die bösen, ignoranten Ärzte schimpfen, als auch auf seiten vieler Ärzte, die auf die „ungebildeten“ Eso-Heilpraktiker schimpfen. Diese Lagerbildung tut nichts zur Sache, ist völlig kontraproduktiv und schadet am Ende des Tages dem interessierten, mündigen Patienten.

Ich würde mir wünschen, dass sich alle Menschen, eine Woche lang jeden Abend unter den Sternenhimmel setzen. Ich wäre gespannt, ob sich die Haltung der Diskussionspartner dann ändern würde 😉

Mich interessiert es sehrsehrsehr, wie es bei euch aussieht. Nutzt ihr homöopathische Mittel oder haltet ihr sie für völligen Humbug? Ich bin ganz gespannt auf eure Nachrichten.

Nina.

P.S.: Wer noch etwas mehr zu dem Thema lesen mag: Einen guten Artikel, aus dem Jahr 1997, findet ihr im Ärzteblatt:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/7612/Homoeopathie-Argumente-und-Gegenargumente


5 Gedanken zu “Homöopathie and me

  1. Anmerkung: mir scheint, die beiden Zitate, die ich von Ihnen mit eingebunden habe wurden beim Senden des Kommentars gelöscht.

    bei 1. habe ich zu folgendem Stellung beziehen wollen:
    „2. Die Wirkung der Homöopathie beruht rein auf dem Placebo Effekt.

    Joa. Was soll man dazu sagen. Erstenes: Placebos sind toll und sie wirken. Schluss. Aus. Mickey. Maus. Zweitens: Hat mir dann aber noch kein Homöopathie-Kritiker plausibel erklärt, warum sie dann auch bei Tieren und Säuglingen wirken.“
    bei 2.: „Dennoch nutzen viele Menschen die Mittel auch ohne einen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren. Ich, zum Beispiel. Und dennoch erzielt die Behandlung ihre Erfolge.“

    Ich hoffe, sie werden diesmal mitgesendet. Wenn Sie die beiden Zitate in meinen Kommentar sogar einfügen könnten wäre dieser zweite Kommentar von mir obsolet.

    Nochmals beste Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. zu zwei Dingen möchte ich mich gerne äußern:

    1. <>

    Placebos sind eine gute Sache – ja. Sie können lindern, bis die Erkrankung ausheilt. Sie können aber nicht heilen. Dennoch ist es erstaunlich, was man mit Placebos manchmal bewirken kann (fast so erstaunlich wie das, was der Körper normalerweise alleine hinbekommt). Bei Symptomatiken mit starker psychischer Komponente reichen Placebos oft vollkommen aus: Schlafstörungen lassen sich mit Placebos sogar sehr gezielt behandeln, ähnlich Nervosität oder Schmerzen.
    Womit ich zum mir wichtigen Punkt kommen möchte: woher kommt das Gerücht, dass Placebos bei Säuglingen, Kleinkindern und Tieren nicht wirken sollten? Haben Sie einmal gesehen, wie der Vater/ die Mutter dem/der Kleinen mit aufgeschlagenem Knie auf die Wunde gepustet hat? Vielleicht hat er/sie ja „heile, heile Segen“ gesungen? Oder dem weinenden Kind ein Stück Schokolade aufs Bein gelegt und gesagt, dass das Kind sie essen darf, sobald es nicht mehr weh tut? Entweder haben Eltern also sowohl magischen Atem, als auch Zauberformeln zur Hand und nicht zuletzt hatte sogar Prof. Lupin im dritten Band von Harry Potter recht: Schokolade ist wohl Medizin…ODER Placebos wirken bei Säuglingen und Co. sogar noch viel besser als bei Erwachsenen, weil Kinder in diesem Alter niemals an Ihnen zweifeln würden. Hunde sprechen auch hervorragend auf Placebos an – sie sind ja auch fühlende Wesen. Wenn Sie weinen, kommt er winselnd angelaufen, schließlich spürt er, dass etwas los ist. Hunde spüren aber nicht nur Trauer, sondern auch Zuversicht und diese „wirkt“ auch, schließlich vertraut er Ihnen! Wenn Sie also die entsprechend positive Botschaft übermitteln „wird ja alles gut…“, so nennt sich das „Placebo by Proxy“. Daneben spielt auch die Konditionierung eine Rolle (sowohl beim Menschen als auch beim Tier): durch die Einnahme einer Arznei kommt dieser Effekt _immer_, bewusst oder unbewusst dazu. Beispiel? Wie schnell werden Ihre Kopfschmerzen besser, sofern Sie eine Tablette nehmen? Pharmakodynamisch gesehen ist das nicht in unter einer halben Stunde möglich, aber schon nach 10 Minuten… doch, ja, es wird besser und schließlich haben Sie es auch so erwartet. Wurde es ja schließlich letztes Mal auch. Dieses Phänomen ist auch bei Tieren bekannt, Beispiel: https://de.wikipedia.org/wiki/Pawlowscher_Hund
    Zum Phänomen Placebo gibt es noch viele weitere Aspekte, die hier mit reinspielen, etwa Regression zur Mitte, zyklischer Verlauf chronischer Erkrankungen, etc.

    2. <>

    Das ist eigentlich ein besonders deutlicher Hinweis auf den Placebocharakter der Globuli. WENN Homöopathie so funktionieren soll, wie es behauptet wird, dann müssten alle Behandler zum selben Ergebnis kommen. Ich will damit nicht ausdrücken, dass jede Behandlung von Erfolg gekrönt sein müsse, sondern, dass jeder dieselbe Beobachtung machen müsste, wie korrekt vorgegangen werden muss: es könnten nicht viele verschiedene Richtungen der Homöopathie nebeneinander existieren. Ein echtes Phänomen tritt nur zum Vorschein, wenn man dabei richtig vorgeht. Stattdessen existiert die klassische Homöopathie neben der genuinen Homöopathie, Komplexmittelhomöopathie neben klinischer Homöopathie, Selbstanwender reklamieren für sich ebenso herausragende Erfolge wie die „neue Homöopathie nach Körbler“ und wenn die Arznei nicht zur Hand ist, kann man mittlerweile wahlweise einen Zettel nehmen und den Namen der Arznei darauf schreiben, um das Wasser zu „informieren“ oder dem Wasser die richtige MP3-Melodie vorspielen, damit es die richtigen „Schwingungen“ aufnimmt… die Erfolge sind immer da!? Wenn der Chrirurg wegen einer Mastoiditis (https://de.wikipedia.org/wiki/Mastoiditis) auf die Idee kommt das Knie operativ zu entfernen kann man ihn für verrückt erklären, aber in der Homöopathie führen auf einmal alle Wege nach Rom? Das ist nicht nur merkwürdig, sondern ein lupenreiner Widerspruch.

    Wichtig wären mir noch 2 Dinge:
    – Placebos einsetzen? Ja – WENN keine geeignete etablierte Therapie existiert oder sie nicht Vonnöten ist, der Patient aber behandelt werden möchte. Dafür braucht es aber keine Placebos mit einem geistigen Unterbau, der häufig in eine Diffamierung der Medizin führt (Beispiel:“Symptomunterdrückung“ gegen Ganzheitlichkeit, als ob die Medizin halbheitlich wäre… „böse“ Antibiotika, verbreitete Impfskepsis, …), da gäbe es auch andere Möglichkeiten.

    – das Zuhören ist wirklich enorm wichtig. Ärzte müssten das endlich wieder normal abrechnen dürfen! Für weniger als 9€/Quartal kann man dem Patienten leider nicht lange zuhören, dabei steckt dahinter so viel Potential! Nicht nur, dass der Patient oftmals die richtigen und besonders zielführenden Infos bereit hält und damit zielgerichtetere Diagnosen ohne weite Umwege über viele Facharztrichtungen und Fehldiagnosen hinweg möglich wären, es fehlt die psychosoziale Komponente, die es bei so ziemlich allen Erkrankungen gibt. Das ist keine Esoterik und auch nicht unbekannt – allein die finanziellen Mittel werden nicht durch das Gesundheitssystem gestellt. Wer aber seinem Hausarzt nur die Hälfte der Kosten für eine homöopathische Erstanamnese für ein Gespräch über eine Stunde anbietet, der wird merken, der macht das sofort auch – das sollte endlich wieder Gang und Gebe sein, wie früher als der Hausarzt noch eine Art Familienarzt war und alle Sorgen kannte.

    Ich hoffe, Sie sind weder erbost über mein ausführliches Kontra, noch dass Sie es persönlich nehmen – bei einem polarisierenden Thema wie diesem passiert so etwas häufig und schnell und das möchte ich tunlichst vermeiden.

    Beste Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Dominik,

      ich hoffe, es ist in Ordnung für dich, wenn ich dich dutze. Obgleich ich natürlich noch nicht einmal weiß, ob du im wahren Leben Dominik heißt. Ich würde das Du auf meinem Blog gerne durchgängig nutzen, um etwas Nähe in der doch sonst so unpersönlichen, virtuellen Welt zu schaffen. Ohne dir damit zu nahe treten zu wollen!

      Ich danke dir sehr, für deinen ausführlichen Kommentar und die Zeit, die du dir dafür genommen hast. Ich habe deine Worte mit großem Interesse gelesen und bin nun wahnsinnig neugierig, welchen beruflichen Hintergrund du wohl hast. Denn das, was du geschrieben hast, ist wohl durchdacht. Du hast dich scheinbar über einen langen Zeitraum mit der ganzen Thematik auseinandergesetzt. Ganz so wie ich es mag, und wie ich es auch für mich persönlich halte. Ich mag es nicht über Dinge zu sprechen, über die ich für mich noch nicht ausreichend genug nachgedacht habe.

      Deshalb freue ich mich sehr über deinen Kommentar und mit dir darüber kurz ins „Gespräch“ zu kommen. Denn auch mir ist es ein großes Anliegen über das Thema zu sprechen, ohne auf die persönliche, emotionale Ebene zu gehen, wie es leider häufig der Fall ist.

      Weißt du, ich glaube unsere Meinungen liegen gar nicht so weit auseinander, wie es zunächst scheinen könnte.

      Ich bin sicher, es gibt ein paar ASPEKTE ÜBER DIE WIR UNS EINIG SIND:

      1) Der Placebo-Effekt hat bei weitem nicht den negativen (‚du hast doch eh nur einen an der Klatsche‘) Beigeschmack verdient, wie er ihn zum Teil noch an sich trägt:

      Er ist nämlich ebenso wichtig und wirkungsvoll, wie ein Medikament. Denn indirekt trägt er durchaus pharmakologische Eigenschaften, nämlich in dem er zu stofflichen Veränderungen im Körper führt (z.B. Schmerzreduktion durch Endorphinausschüttung.
      Inwieweit, dass aber das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Therapeut negativ beeinflussen kann, ist sicher ein Aspekt der zu beachten ist. Wobei Placebos ja nachweislich wirken, auch wenn dem Patienten vorab gesagt wird, dass er ein Placebo erhalten wird.
      Die Placeboforschung halte ich im Übrigen für einen wahnsinnig spannenden Forschungsbereich. Dennoch bin ich sehr skeptisch, wie und wo Placebos ihren festen, akzeptierten Platz in der Medizin finden sollten. Hat es doch immer wieder den Beigeschmack „Du hast doch eh nichts“. )

      2) Die Wirkungsweise der Homöopathie ist nicht erklärbar (stand heute):

      Unumstritten. Aber genau so wenig ist doch bewiesen, dass die Homöopathie allein auf dem Placebo Effekt beruht, oder? Es gibt einige Studien, die durchaus einen positiven Effekt vermuten lassen. Aber der Grundgedanke der (und jetzt muss ich zugeben, nicht DER sondern EINER Form) Homöopathie ist ja nun auch, dass die Mittel nicht symptomorientiert sondern anhand der Konstitution ausgewählt werden. Und da ein Patient seltenst einer definierten Konstitution in ihrer reinen Form zuzuordnen ist, werden 3 Therapeuten möglicherweise zu 3 unterschiedlichen Mitteln greifen. Und wie dies in eine wissenschaftlich haltbare Doppelblindstudie gepresst werden könnte, bleibt eine Herausforderung.

      3) Die Existenz diverser Homöopathieformen nebeneinander wirft viele Fragen auf.

      Das tut es. In der Tat.

      AN FOLGENDER STELLE GEHEN UNSERE MEINUNGEN AUSEINANDER:
      Du sagst: Homöopathie = Placebo
      Ich sage: Homöopathie evtl. Placebo, aber meine persönlichen Erfahrungen, die meiner Bekannten und Freunde, lassen mich an einem reinen Placebo Effekt zweifeln. Was, in der Tat, keine wertvolle Aussage ist, mit der man Diskussionen bereichern möchte, die nicht auf die persönliche Ebene rutschen 😉 Aber solange man keinen wissenschaftlichen Nachweis erbringen konnte, wird das immer wieder die einzige Möglichkeit sein, seine Pro-Homöopathie Meinung zu vertreten. Was leider Gift für Diskussion darstellt. Sei es drum.

      Ich würde gerne noch ganz kurz auf einige Aussagen von dir direkt eingehen:

      „Woher kommt das Gerücht, dass Placebos bei Säuglingen, Kleinkindern und Tieren nicht wirken sollten?“

      Ich habe bewusst nicht von Kindern, sondern Säuglingen und Tieren gesprochen. Sicherlich ist es richtig, dass die Zuwendung zum Heilerfolg beiträgt. Aber viele sich der Homöopathie bedienenden Menschen, sind ohnehin sehr empathisch und einfühlsam. Und ich behaupte, dass sie sich sowohl ihrem Tier/ bzw. dem Säugling auch vorab sehr intensiv zugewendet haben. Nicht erst mit Gabe der Mittel. Sicherlich etwas, was es mit zu bedenken gilt.

      „Oder dem weinenden Kind ein Stück Schokolade aufs Bein gelegt und gesagt, dass das Kind sie essen darf, sobald es nicht mehr weh tut?“

      Nun. Das ist in der Tat schon ein wenig gemein, oder? 😉 Das hat den „Indianer weinen nicht“ Beigeschmack für mich. Und ich bin eher der Typ, schleusen bitte einmal weit auf, alles raus lassen und dann bewusst, zum richtigen Zeitpunkt, wieder schließen. Aber darum geht es hier ja nun auch gar nicht. Ich finde das Bild, das sich in meinem Kopf zeichnete einfach nur zum Schmunzeln und erwähnenswert.

      „zyklischer Verlauf chronischer Erkrankungen“

      Klar. Dies ist unumstritten. Aber ich habe (und selbstverständlich ist auch das wieder eine ganz persönliche Aussage, die allein deshalb zerrissen werden darf) zu viele deutliche Erstverschlimmerungen gesehen mit anschließender Heilung, als das ich das so kommentarlos stehen lassen könnte.

      „Wer aber seinem Hausarzt nur die Hälfte der Kosten für eine homöopathische Erstanamnese für ein Gespräch über eine Stunde anbietet, der wird merken, der macht das sofort auch“

      Eine etwa 2 stündige homöopathische Erstanamnese kostetet im Mittel etwa 120 €. Würden denn viele Ärzte wirklich gerne für einen Stundensatz von 30€ arbeiten?

      „böse” Antibiotika, verbreitete Impfskepsis“

      Das halte ich für ein (bedingtes) Vorurteil, was die Diskussionen über die Homöopathie nur schwieriger werden lässt. Ich stimme zu, dass sicher eine Häufung von homöopathisch arbeitenden Impfkritikern zu sehen ist. Aber das halte ich für einen Nebenschauplatz (NICHT NebenKRIEGSschauplatz!), der nicht besonders förderlich für ein gutes Diskussionsklima ist. Aber du wolltest ja hierüber auch nur darauf hinaus, dass du eine Frontenbildung wahrnimmst, die kontraproduktiv ist. Richtig? Correct me if I‘m wrong. Da stimme ich dir zu. Deshalb halte ich schon allein die Unterscheidung der Medizin in Schulmedizin und Alternativmedizin für kontraproduktiv. Medizin IST ganzheitlich. Ganzheitlich im Sinne von Mensch = Körper, Geist, Seele. Sollte es zu mindestens sein. Deshalb gibt es für mich allerhöchstens die Komplementärmedizin.

      Und das Dilemma, vor dem Ärzte stehen, ist in der Tat groß. Das war der Aspekt, der mich lange hat zweifeln lassen, das Medizinstudium aufzunehmen. Doch wäre das einer Resignation meinerseits gleichgekommen. Ich glaube nicht, dass es so bleiben muss. Aber ich mache mir auch keine Illusionen, dass das etwas ist, was sich sobald ändern wird. Es bleibt spannend.

      Ich gebe zu, meine Antwort hat mich ordentlich Zeit gekostet, so wie es deine Worte sicher auch getan haben. Deshalb war es mir ganz wichtig, dir eine angemessene Rückmeldung zu geben.

      Danke, für den wertvollen Austausch. Let’s see, wo der Weg der Homöopathie/ der Medizin hinführen wird.

      Ich wünsche dir einen schönen Mittwoch!

      Viele Grüße, Nina

      P.S.: Vielleicht wird es jetzt etwas philosophisch, aber ich frage mich oft, ob die Homöopathie es nicht mittlerweile verdient hat, „in Ruhe“ gelassen zu werden.
      Das man sie akzeptiert, als eine umstrittende, wissenschaftlich nicht nachweisbare, aber dennoch sanfte Therapieform. Wer möchte nutzt sie, wer nicht möchte, tut es nicht. Könnte das nicht etwas sein, womit man dem Begriff der Heilkunst gerechter wird? Sind wir da nicht an einem Punkt, wo die Kunst in den Vordergrund rücken darf und sich die Wissenschaft ein wenig zurückziehen könnte?

      Dazu beschäftigt mich ein Text von Hans Jonas. Ich bin sicher du kennst ihn. Wenn du irgendwann mal Zeit findest und Lust hast mir nochmal zu schreiben, würde mich deine Meinung zu folgendem Textauszug (vielleicht sogar im Zusammenhang mit der Homöopatie) von ihm sehr interessieren:

      „Ärztliche Kunst und menschliche Verantwortung

      Die Medizin ist eine Wissenschaft; der ärztliche Beruf ist die Ausübung einer hierauf gegründeten Kunst. Jede Kunst hat einen Zweck, sie will etwas zustande bringen; die Wissenschaft will etwas herausfinden, ganz allgemein die Wahrheit über etwas: das ist ihr immanenter Zweck, bei dem es bleiben könnte. Der Zweck einer Kunstfertigkeit dagegen, einer téchne, liegt außer ihr, in der Welt der Objekte, die sie verändert und um neue, eben künstliche, vermehrt. Auch diese wieder sind meist nicht ihr eigener Zweck, sondern weiteren Zwecken dienstbar. Die Baukunst hat ihren direkten Zweck im Bauwerk, die Webkunst im Gewebe; das Bauwerk seinerseits dient der Behausung, das Gewebe der Bekleidung und so fort. Hier nimmt die ärztliche Kunst sichtlich eine Sonderstellung ein, die der Name „Heilkunst“ sofort anzeigt, denn Heilung ist ja nicht die Herstellung einer Sache, sondern die Wiederherstellung eines Zustandes, und der Zustand selbst, obwohl Kunst für ihn aufgewandt wird, ist kein künstlicher, sondern eben der natürliche oder ihm so nah wie möglich. In der Tat ist das ganze Verhältnis der ärztlichen Kunst zu ihrem Gegenstand einzigartig unter den Künsten. Arbeiten wir die Unterschiede etwas heraus.
      Zuerst ist zu bemerken, dass für den Arzt die Materie, an der er seine Kunst ausübt, die er „bearbeitet“, selber der ultimative Zweck ist: der lebendige menschliche Organismus als Zweck seiner selbst. Der Patient, eben dieser Organismus, ist das A und O in der Zielstruktur der Behandlung. Fast überall sonst, wo Kunst ihr Werk tut, herrscht die Fremdheit zwischen dem indifferenten Stoff und dem Zweck, für den er bearbeitet wird, und gewöhnlich auch eine mehr oder weniger weitläufige Mittelbarkeit zwischen dem direkten Werkerzeugnis und dem Endzweck, dem es dient. Dem Rohstoff erst und dann allen aus ihm hergestellten Gliedern der Mittel-Zweck-Kette wird der Zweck von außen auferlegt. Homo faber geht mit ihnen um nach seinem Gutdünken unter Beachtung der Naturgesetze. Der Hersteller der Dinge war auch der Erzeuger der Zwecke. Sein Material seinerseits ist zweckfrei.
      Der Arzt hingegen ist der Zweck durch den Selbstzweck seines Objektes vorgegeben; der „Rohstoff“ ist hier schon das Letzte und Ganze, nämlich der Patient, und der Arzt muss sich mit dessen Eigenziel identifizieren. Dieses ist jeweils die „Gesundheit“, und die ist von der Natur definiert. Da gibt es für ihn nichts zu erfinden, außer in den Methoden der Erreichung dieses Zieles. Zum Ziel aber wird die Gesundheit erst durch die Krankheit. Die Gesundheit selbst ist unauffällig, nicht weiter bemerkt, wenn man sie hat (sich ihrer erfreut, was aber unbewusst geschieht); sondern erst ihre Störung fällt auf und erzwingt ihre Beachtung, zuerst durch das Subjekt selbst, das sie an sich erfährt , als Leiden, Einbuße, Behinderung, und dann vor den Arzt zur Abhilfe bringt. Es ist denn auch die Krankheit und nicht die Gesundheit, die ursprünglich die Erforschung des menschlichen Körpers in Gang gebracht hat und sie auch weiter anspornt, eben als Erforschung der Krankheitsursachen zum Zwecke ihrer Behebung oder auch ihrer Vorbeugung. Dazu gehört naturgemäß als Voraussetzung das Wissen vom gesunden Körper und den Bedingungen der Gesundheit. Auf die medizinische Wissenschaft, als allgemeine Wissenschaft des gesunden wie des kranken Leibes, trifft daher nicht zu – der Name sagt es schon -, was sonst von der Wissenschaft gilt, dass sie ihr Ziel in der Erkenntnis habe: von Anfang an will sie mit dieser Erkenntnis dem Arzt zu seinem heilenden Können verhelfen. Sie ist also weder zweckfrei noch wertfrei. Und wiederum ist es das Auszeichnende der medizinischen Kunst unter den alten Künsten der Menschheit, dass sie von altersher – seit Hippokrates – im innigsten Zusammenhang mit einer forschenden Wissenschaft als ihrer Grundlage steht.
      Dennoch ist die praktische Kunst hier nicht einfach die Anwendung dieser theoretischen Grundlage, d.h. eindeutige Anwendung eindeutigen Wissens am eindeutigen Material zu eindeutigem Zweck, so wie etwa der Maschinenbauer die Wissenschaft von der Mechanik gleichsam mechanisch auf seine gesetzte Aufgabe anwenden kann. Denn der Arzt hat es ja mit dem jeweils gegebenen Einzelfall zu tun, dem Individuellen in seiner ganzen Einzigartigkeit und Komplexität, die keine analytische Bestandsaufnahme erschöpfen kann; und da ist schon beim ersten Schritt, schon bei der Diagnose als Subsumierung des Besonderen unter das Allgemeine, eine ganz andere Art von Wissen nötig als das theoretische. Kant nannte diese Erkenntnisart „Urteilskraft“, die nicht schon mit dem Allgemeinwissen erlernt wird, sondern dieses mit der Anschauung des Einmaligen und der es enthaltenden Ganzheit verbindet und so erst die Anwendung des Abstrakten auf das Konkrete ermöglicht. Dieses Urteilen, das zu Entscheidungen führt, übt sich durch Erfahrung, wird aber immer zuletzt die Gabe persönlicher Intuition ins Spiel bringen, die ein ursprünglicher und individuell unterschiedlicher Besitz ist. Es ist diese nicht weiter definierbare Zutat, die die erlernbare Kunstfertigkeit des Arztes zur eigentlichen Kunst macht und über bloße Technik hinaushebt. Schon im rein Kognitiven steht hier Individuum dem Individuum gegenüber. Später werden wir sehen, dass über den Singular des Patienten hinaus doch auch der Plural der Allgemeinheit, das öffentliche Wohl, in eigentümlicher Weise in dieses zunächst geschlossene Verhältnis hineinspielt und für seine Ansprüche öffnet.“

      Aus: Technik, Medizin und Ethik, von Hans Jonas, Frankfurt, 1985

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  3. Ich kann Dir in allen Punkten zustimmen. Das schreibt einer, der fast keine Medikamente zu sich nimmt und seiner Hausärztin vertraut, die ihm da Globuli oder rein pflanzliche Sachen verschreibt, wo das ausreicht, und Chemie, wo es ihrer Meinung nach nötig ist. Und das ist es außer beim täglichen Thyronajod eigentlich nie.
    Und den Placebo-Effekt finde ich ne großartige Sache, die auf viele ganzheitliche Zusammenhänge hin deutet, die wir noch nicht verstehen und daher noch nicht richtig nutzen können.

    Gefällt 1 Person

    1. Das klingt toll! Super, dass du eine Ärztin gefunden hast, die dich da gut begleitet. Das ist meines Erachtens nach, nämlich gar nicht so einfach. Deshalb bin ich wahnsinnig froh, dass wir in Deutschland eine freie Arztwahl haben.
      Viele Grüße, Nina

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