Wenn Ungewissheit plötzlich die Neugier mit sich bringt

Früher ging meine Ungewissheit immer mit meiner Angst Hand in Hand. Die beiden gehörten für mich untrennbar zusammen. Ungewisse, unsichere Situationen im Leben haben mir Sorgen bereitet. So versuchte ich, durch möglichst viel Struktur und Organisation, die Ungewissheit zu umgehen.

Seit fast 3 Jahren sind wir beide nun ziemlich gute Freunde. So ein wenig bin ich sogar verliebt in sie. Und sie geht auch gar nicht mehr mit meiner Angst Hand in Hand, sondern mit Neugier. Mit Neugier und Freiheit.

Wie es dazu kam und warum unsere Mädels uns verkuppelt haben, erzähle ich euch jetzt:

Morgenstern Möglichkeiten

Wisst ihr, was das Thema Planung und Sicherheit angeht, bin ich fürchterlich deutsch. Na ja. WAR ich fürchterlich deutsch. „Kind. Such dir ’nen sicheren Job. Bei der Bank, oder so.“ Das war mein Leitsatz. Verbeamtet zu werden, das war in etwa genau so viel Wert, wie ’ne Million im Lotto zu gewinnen. Da hätte Omma sich so richtig drüber gefreut.

Diesen Leitsatz habe ich allerdings so sehr verinnerlicht, dass ich ihn gar nicht mehr nur auf mein berufliches Leben bezog, sondern irgendwann auf mein Ganzes. So ganz gesamt halt 😉 Planung die mir Sicherheit gab, wurde zu meinem obersten Gebot. Ich plante den Einkauf, unsere Monatsausgaben, unsere Urlaube (bis ins letzte Detail), meine Karriere, meine Schwangerschaft. Im Grunde war ich ein wandelnder Organisationsroboter, dessen bester Freund die Excel-Tapete war.

Mein Leben verlief nach Plan. Und dann kamen die Kinder.

Wobei die waren auch „geplant“ (Juchee! Bis hierhin ging der Plan also auf). Die Schwangerschaft und die Geburt folgten. Joa. Und was soll ich sagen.

Da dämmerste es mir mal so ganz langsam, dass man gar nicht alles im Leben planen kann. Das machte mir verdammt viel Angst. Krampfhaft versuchte ich Dinge zu kontrollieren, die ich gar nicht kontrollieren konnte. So wurde ich zunächst zu einer verkrampften und verkopften Mutter, die geplagt von Selbstzweifeln, mit einem weinenden Baby im Arm da saß. Verzweifelt weil sie keinen Plan zur Hand hatte, mit dem sie das Projekt „Kind soll nicht mehr weinen“ angehen konnte.

Ki1nd ging es nicht gut. Meinem Mann ging es nicht gut. Uns, als Familie ging es nicht gut. Mir ging es nicht gut. Lösungen mussten her.

So lernte ich langsam aber sicher, das Loslassen. Los.Zu.Lassen von der Idee, dass ich alles kontrollieren, planen und organisieren kann. Ich begann ganz, ganz langsam auf mein Bauchgefühl, statt auf meinen Kopf zu hören.

Ich lernte mich kennen. Habe gelernt, mit Unsicherheit gut umgehen zu können. Das brauchte viele Jahre. Viele Tränen, viel Lachen, viele inspirierende Menschen und mich herum.

haarfarbe
Was dieses Foto jetzt mit meinem Artikel zu tun hat? Es zeigt, wie klein die Schrittchen waren und wie unbedeutend sie manchmal im Alltag zu sein scheinen. Es war „nur“ eine neue Haarfarbe. Selbstgemacht. Früher, hätte ich da einen Friseur dran gelassen. Wer weiß denn, was bei so einer Naturpampe raus kommt?

Ich habe die Unsicherheit nach und nach als Motor meiner Veränderungen wahrgenommen. Meine Neugier wurde geweckt. Ich wollte mehr von ihr. Wollte mich fallen lassen, mich auf sie einlassen und schauen, wohin sie mich trägt. Voller Zuversicht, dass was auch immer kommt, mich auf irgendeine Art und Weise weiter bringen wird. Ich hörte auf mir nur den SuperGAU auszumalen, sondern freute mich auf die viele neuen Eindrücken die auf mich zukommen würden. Von ganz allein. Wenn ich es nur zuließe.

Irgendwann zog diese Freiheit, die die Unwissenheit mir aufgezeigt hat, größere Kreise. Ich wurde mutiger. Mutiger im Denken. Weil meine Angst vor der Unsicherheit mich nicht mehr blockierte. Ganz im Gegenteil. Ich war so verdammt neugierig auf das was kommen könnte. Was ich werden könnte. Was ich alles machen und ausprobieren könnte.

Und so wurde aus einer verkopften Frau, die einen sicheren Job hatte, eine Schülerin. Dann eine Praktikantin. Dann eine Studentin. Dann… Schauen wir mal. Auf jeden Fall wurde aus ihr eine neugierige Frau. Die die Unsicherheit zu lieben gelernt hat.

Kommt mir gut durch die Woche und seid gespannt auf das, was sie euch noch bringen wird.

Ich glaube, ich werde mal eine Kategorie „Was meine Kinder mich lehrten“ eröffnen. Da habt ihr doch sicher auch ganz viel beizutragen, oder?


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