Liebe alleinreisende Mutter mit dem nervigen Kind am Flughafen…

… was ich dir noch sagen wollte:

Du hast das toll gemacht. Wirklich. Ich bewundere dich für deine Ruhe, in einer äußerst fordernden Situation.

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Ich schätze, dein Sohn ist etwa 2 Jahre alt. Er scheint gerade seine Autonomie entdeckt zu haben. Seiner „Army-Hose“ hat er zumindestens alle Ehre bereitet.

Seine Augenringe verrieten zwar schon, dass er normalerweise gerade im Mittagschlaf-Traumland weilt, aber davon möchte so ein „Großer“ am Flughafen ja nichts wissen. Ist doch alles so laut und spannend.
So fande er es auch unglaublich lustig, jedes deiner Worte zu ignorieren. Er warf seinen kleinen Dinosaurier mitten in den stark frequentierten Weg und lief jauchzend vor dir weg sobald du dich ihm nähertest.
Du bliebst ruhig. Sagtest in einem sanften Englisch „Stop“. Immer und immer wieder. Während er dir mit einem bissigen „No“ antwortete und weiter machte. 30 Minuten ging das so.

Ganz sicher sind dir die Blicke deiner, in aller Ruhe am Gate sitzenden, Mitreisenden aufgefallen. Die mit ihren Augen rollten und zu flüstern begannen. Ihren Blick in eure Richtung gelenkt. Ich vernahm die Worte: „Oh je. Hoffentlich sitzen die nicht neben uns.“
Ich fragte mich, ob sie wohl selber Kinder haben. Vermutlich nicht.

Ich ahnte, was in dir vorgehen musste. Denn auch deine müden Augen verrieten, dass du am Ende deiner Kräfte warst. Am liebsten einfach sitzen geblieben wärst, anstatt deinem Sohn hinterher zu laufen und einer echten Nervenprobe inmitten von so vielen Menschen ausgesetzt zu werden.

Irgendwann stolperte dein Kleiner. Er weinte und weinte und weinte. Seine Müdigkeit fand ihren Weg durch die Tränen. Er ließ sich von den Tränen forttragen. Irgendwann. Nachdem er sich immer und immer wieder die Augen rieb und seinen Kopf an deine Schulter lehnte.
Während seine Augen schon regelmäßig zufielen, schaute er dich noch einmal an. Nein. In diesem Moment konntest du noch nicht wieder lächeln.

Dann kehrte Ruhe ein. Er schlief. Du bliebst stehen. Hielst ihn auf dem Arm, um ihn sanft wiegen zu können. Das dir am Abend vermutlich der Rücken schmerzt und deine Hüfte sich wieder melden wird, war dir egal. Deinen Sohn in den Schlaf zu begleiten, war dir wichtiger.

Dann kamst auch du langsam zur Ruhe. Legtest deinen Kopf an seinen. Scheinst seinen ruhigen Atem genossenen haben, während deine Wange sanft über sein hellblondes Haar Strich. Auch deinen Augen blieben dabei geschlossen.
Ich sah, wie du langsam an ihm gerochen hast. Vom Köpfchen bis zu seinem Ohr.
All dein Stress schien innerhalb von Minuten verschwunden zu sein. Du schienst nun die Kraft zu tanken, die dir kurz vorher abverlangt wurde.

Weißt du, ich glaube genau so ist das mit unseren Kindern. Auf der einen Seite können sie uns in Kürze in den Wahnsinn treiben. Den letzten Nerv rauben. Aber auf der anderen Seite, können sie uns ebenso schnell wieder besänftigen. Und eine einzigartige, unvergleichliche Kraft zurückgeben.

Es war so schön euch zu beobachten. Ich vermisste bei eurem Anblick meine eigenen Kinder. Allzu oft vergesse ich vor lauter Alltagshektik, wie wertvoll diese intimen Situationen sind. Manchmal muss ich allein reisen, getrennt sein, um mir dessen bewusst zu werden.

Beim Boarding half ich dir, deine Taschen zu tragen. Dein Kleiner schlief unbeeindruckt weiter. Ich sprach dir meine Bewunderung für deine Ruhe aus. Du schautest mich zunächst etwas verwirrt an. Suchtest du nach Worten oder sagte ich etwas Falsches?
Deine Augen verrieten, dass du zu lächeln begannst während du mit den Worten: „Oh, thank you. Nobody has ever said that to me before“, antwortetest.

Warum hat dir das eigentlich bisher noch niemand gesagt? Wo du es doch sicher schon viel öfter verdient hättest.

Es war schön, euch kennen gelernt zu haben.


Kurz nachdem ich diesen Text veröffentlicht habe fiel mir auf, dass er doch ganz wunderbar zu der derzeit laufenden Aktion #momsrock von Tanya passt, die den Blog Lucie Marshall betreibt. Tanya ist der Meinung, dass wir Mütter uns viel häufiger loben sollten. Und da bin ich ganz d’accord. Ihr nicht auch? Ich bin sogar so dermaßen d’accord, dass ich mit diesem Text meinen zweiten Beitrag dazu geteilt habe (hier findet ihr meinen ersten Beitrag zu #momsrock).

Macht doch einfach mit. Ganz egal ob ihr einen Blog betreibt oder nicht, ihr seid herzlich eingeladen an der Aktion #momsrock teilzunehmen. Lasst uns mit viel positiver mom-power ins neue Jahr starten.

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14 Gedanken zu “Liebe alleinreisende Mutter mit dem nervigen Kind am Flughafen…

    1. Herzlichen Dank, für deine Worte. Es war tatsächlich so, dass ich auch schonmal in einer ähnlichen Situation „gelobt“ wurde. Und ich werde niemals vergessen, wie gut sich das anfühlte. Damals nahm ich mir also vor, es selber auch einfach mal des Öfteren zu tun. Bisher haben ich daraufhin immer strahlende Gesichter gesehen 🙂

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  1. Hallöchen,
    während dem Lesen wurde mir bewusst das ich dieser Mama dringend ein Komplimemt machen wollte für Ihre Stärke! Ich bin so froh das du zur richten Zeit am richtigen Ort warst um genau das zu tun danke :*
    Alles liebe
    Britta

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    1. Genau so ging es mir auch 😉 Denn mir ist das tatsächlich auch mal passiert. Das eine ältere Dame mich lobte, für mein Verhalten während eines Wutausbruchs unserer Kurzen. Dieses Gefühl, werde ich NIE vergessen. Das war reines Seelenbalsam. Da beschloss ich, dass selber öfter mal zu tun.
      Liebe Grüße

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  2. Wunderbar! Toller Text!

    Es sollte sowieso viel mehr Eltern-mit-Kind-Solidarität geben. Einfach mal nett sein. Einfach mal helfen. Oder einfach mal ein nettes Wort. Ein Lächeln (ein aufrichtiges, kein Be-Lächeln). Aber das funktioniert ja in diesem kinderlosen Staat nicht. Das geht nur in Kulturen, in denen Familie nicht nur theoretisch sondern auch ganz praktisch zum höchsten Gut zählt.

    Ich glaube, ich wandere aus! 🙂

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      1. So, und genau so versuche ich es immer zu praktizieren. Nunja, es gibt Tage da gelingt es famos – andere Tage … Naja, du bist selbst Mutter. Du kennst andere Tage! 🙂

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  3. Hat dies auf RemmiDemmi Circus rebloggt und kommentierte:
    Ja, das musste wirklich mal jemand schreiben! Toll! Danke Gedankenpotpourri! Hurra!

    Vielleicht kopiere ich diesen Artikel, und lege ihn zusammen mit ein paar Süßigkeiteten im Umkreis von 20 Sitzreihen auf jeden einzelnen Platz um uns herum, wenn wir Mitte Februar nach Costa Rica fliegen.

    Mir graut’s jetzt schon. 🙂

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    1. 😄 Das ist doch eine super Idee! Und zur Not lächelst du unfreundliche Mitreisende einfach nett an und denkst „Ar*******“ 😉 Aber sicher wird es gar nicht so schlimm, wie du befürchtest. Unsere Erfahrung ist, dass die Kinder auf Reisen meistens ganz friedlich und interessiert sind.
      Ich drücke euch die Daumen. Das wird schon! Habt eine tolle Zeit in Costa Rica
      Liebe Grüße, Nina

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      1. Liebe Nina, liebsten Dank für diese positive Einschätzung. Ich bin ja meist zu optimistisch um mir das wirkliche Schlimmstausmaß vorzustellen. Ich glaube auch, dass das schon alles irgendwie wird. Wirds ja eigentlich auch immer. Fast schon unverschämt. Aber ein bisschen Demut finde ich, tut auch ganz gut. Dann ist die Landung auf dem Boden der Tatsachen im Fall der Fälle nicht ganz so hart. 🙂 Vielleicht ist das auch eine Karma-Rechnung oder ein Autosuggestionsversuch …

        Unsere Flugerfahrung beschränkt sich auf alles bis zum 7ten Monat. Da ist der Bewegungsdrang noch nicht auf 2 Beine gebündelt. Hi hi hi. Mal sehen wie das dann da so mit 18 Monaten wird! Excited!!

        Achso: Tollen Blog hast du da!

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