Mein liebes Ki2nd

Ich liebe dich.

Weißt du das eigentlich? Also so wirklich? Im Herzen? Ich hoffe es sehr. Meistens bin ich mir sicher. Und doch schleicht sich momentan öfter das Gefühl bei mir ein, dass du dir doch nicht sicher bist.

Deshalb möchte ich dir heute diese Zeilen widmen. Vielleicht wirst du sie irgendwann einmal selbst lesen und mir deine Meinung dazu mitteilen. Bis dahin werde ich im Alltag weiterhin versuchen, dir mit und ohne Worte(n) zu zeigen, wieviel du mir bedeutest. Wie wertvoll und einzigartig du bist.

Wir beide. 2012.
Wir beide. 2012.

Warum ich das Gefühl habe, dass du dir nicht sicher bist ob wir DICH lieben?

Weil du momentan häufig sagst, dass du nicht die Kleine sein möchtest. Das alles doof ist. Das du nicht mehr in den Kindergarten, sondern auch in die Schule gehen möchtest. Du möchtest sein, wie deine große Schwester. Du möchtest Schreiben und Lesen lernen und übst voller Ehrgeiz. Jeden Tag. Du malst die Bilder deiner großen Schwester nach. Du beschwerst dich darüber, dass du die Anziehsachen deiner Schwester erbst. Um deine Worte zu nutzen „Immer muss ich alles von meiner Schwester aberben. Das ist doch doof.“ Du wirst oft wütend. Wütend, weil du nicht mit ihr mithalten kannst. Weinst mehr.

Das zu sehen, wie sehr du um Aufmerksamkeit kämpfst und darum, genau wie deine Schwester zu sein, bricht mir das Herz.

Ich möchte nicht, dass du dich selbst vergisst. Du bist ein eigenständiger Mensch. Der mit niemandem zu vergleichen ist. DU bist DU. Und deine Schwester ist deine Schwester. Ihr seit 2 eigenständige Menschen, die nicht miteinander zu vergleichen sind. Jede ist auf ihre ganz einzigartige Weise wertvoll.

Lasse ich dich das nicht genug spüren? Mir einzugestehen, dass das möglicherweise der Fall ist, tut weh. Aber es ist auch der erste Schritt, daran etwas zu ändern.

Ich kann verstehen, dass es nicht immer einfach ist, die Jüngere zu sein. Aber, Süße. Lass uns auf Schatzsuche gehen. Weißt du. Zweitgeborene zu sein, hat seine Vorteile.

Du hast eine Art Welpenschutz. Intuitiv lasse ich dir mehr „durchgehen“. Bin milder zu dir.

Bevor du auf die Welt kamst, sind Mama und Papa schon einmal Eltern geworden. Das hat uns ganz viel Gelassenheit und Ruhe gegeben. Die Schwangerschaft mit dir konnte ich von vorne bis hinten, sorgenfrei genießen. Ich (wir) konnte(n) dich zuhause, in UNSEREM zuhause auf die Welt bringen. Das war ein Ereignis, welches ich bis zu meinem letzten Tag spüren und schätzen werde. Ich sage bis heute: Das ist das WUNDERbarste, was ich in meinem Leben erfahren durfte. Dank dir!

Du warst ein entspanntes, glückliches Baby. Hast wenig geschrien, traumhaft geschlafen. Viele haben dich ein wahres „Anfänger-Baby“ genannt. Du hast uns alles verdammt einfach gemacht.

Vielleicht war genau das die Herausforderung für mich!? Du warst so „einfach“. Vielleicht habe ich dich deshalb manchmal übersehen. Und das holst du gerade nach? Hinzu kommt, dass du bist mir sehr ähnlich bist. Vielleicht ging ich deshalb manchmal einfach ganz automatisch davon aus, dass du so fühlst wie ich. Dass du weißt wie ich fühle und wie sehr ich dich sehe. Aber vielleicht ist das nur eine Annahme von mir?

Ich möchte dir in der nächsten Zeit mehr das Gefühl geben gesehen und geliebt zu werden. Dir zeigen, dass du nicht in Konkurrenz zu deiner Schwester stehst. Gar nicht stehen kannst.

Ich liebe dich, meine Süße. Du bist die GRÖSSTE, kleine Tochter die ich mir vorstellen kann. Deine Mama.


6 Gedanken zu “Mein liebes Ki2nd

  1. Die Abgrenzung kommt schon noch. Später. Gewollt und erzwungen (denn die Grosse wird sich auch von der Kleinen abgrenzen wollen, sich genervt fühlen wenn die phasenweise alles nachäfft). Die Kleine braucht den Vergleich mit der Grossen auch, um herauszufinden, wer sie ist und wer sie nicht ist.
    Das kommt schon gut, auch wenn es in manchen Fällen dauert.
    Sagt eine kleine Schwester….

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  2. Was für ein schöner Artikel und ein schöner Brief 🙂 Ich bin mir sicher, dass sie es irgendwie spüren kann – aber der Konkurrenzkampf mit Geschwistern ist manchmal (phasenweise) sehr hart, das weiß ich noch von früher (auch wenn ich die Ältere war). Toll, dass deine Kinder so eine achtsame und liebevolle Mutter wie dich haben!!

    Liebe Grüße, Janina

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  3. Oh Mann, jetzt bin ich viel zu lange wach, wollte gerade ins Bett und sitze hier mit Tränen in den Augen. Ich finde es toll, dass Du Dich selbst (schonungslos) hinterfragst. Ich finde das wichtig, weil wir uns nicht selbst belügen dürfen, wenn es um unsere Kinder und deren Bedürfnisse geht. Aber sei auch nicht zu hart zu Dir.
    Auch Wut und Trauer gehören zum Leben unserer Kinder und sind dann nicht zwangsläufig unsere Schuld.

    Ich bin mir sicher, dass Du mit Deiner Achtsamkeit einen Weg findest, beide Mädchen so zu begleiten, zu bemuttern wie sie es brauchen!

    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Ganz vielen Dank, für deine Worte! Ich hoffe, dass ich die Mitte zwischen zuviel und zu wenig grübeln finde. Das gelingt mir mal mehr, mal weniger gut. Aber es gibt so Tage, da prasseln so viele Fragen auf einen ein… Und dann tut es gut, sich diese vom Herzen zu schreiben.

      Ich hoffe, du hast dennoch genügend Schlaf heute Nacht bekommen 😉

      Habt einen schönen Sonntag! Nina

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