Ich habe euch belogen…

… also, so ein bisschen. Mich selbst aber auch. Leider habe ich das erst gestern bemerkt! *schwenktdieweißefahne*

Habt ihr meinen vorletzten Artikel über Veränderungen im Leben gelesen? Darin schrieb ich zum Schluss „Ich warte nun ab und schaue, was kommt. In Ruhe.“

Nun, das war schwer gelogen. Und es war so gut gelogen, das ich es mir selbst geglaubt habe.

Vielleicht bin ich äußerlich ruhig. Aber in mir tobt ein Sturm der Gefühle. Ein Sturm der zu einem Gedankenstau und einer Schreibblockade führte.

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Ich begann, also einen Text über meine Schreibblockade zu schreiben. Danach verstehe ich meistens, warum nichts mehr rauskommen wollte. Schreibmeditation nenne ich das auch gerne mal.

Ich brachte einige Worte aufs „Papier“. Quasi im RAW Format. Ungeschliffen, diffus und ungriffig. Aber dahinter verbarg sich etwas ….. etwas ganz geheimes 😉

Mögt ihr sie lesen? Meine Geheimcodeworte?


„In mir sprudeln Ideen, die heraus wollen. Gedanken die ich gerne in geschriebene Worte verwandeln möchte. Die in mir rebellieren, rumspringen, geboren werden wollen. Und doch, stehe ich gerade vor einer Hürde. Einer Schreibbarriere. Wie ein scheuendes Pferd, das nicht springen möchte.

Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Kann mich nur schwer an einen Gedankenstrang halten, ihn zu enden denken, weil immer wieder kleine neue Gedanken nach Aufmerksamkeit schreien. Wie ein Fotoapparat, der einen defekten Autofokus hat.

Ich könnte mir nun verkrampft Themen aus den Fingern ziehen, nur um diese digitale, weiße Seite zu befüllen. Aber die Worte wären es nicht wert. Sie wären gefühllos, weil ich sie lediglich aus dem Kopf geschrieben hätte, ohne Beteiligung meines Herzens.

Ich war schon immer ein Grübelkopf, der sich gerne allein seinen Gedanken hingegeben hat. Seit ich Mama geworden bin, fehlt oft schlicht und einfach die Zeit und Kraft dazu, Gedanken zu Ende zu bringen. Um mit mir selber und meiner Haltung zu verschiedenen Themen im Reinen zu sein.

Aber es liegt doch an mir, wie ich diese Situation nun betrachte, richtig?

Ich könnte mich jetzt darüber ärgern. Könnte an mir selbst zweifeln. Verzweifeln. Müde werden zu denken und zu schreiben. Jammern, weil ich viel zu wenig Zeit für mich selbst habe. Weil ein Familienlieben kombiniert mit Berufstätigkeit hier und dort kollidiert. Weil ich keinem mehr gerecht werde und sowieso, manchmal einfach alles zu viel ist.

Aber ich könnte auch dankend diesen bunten Strauß an Gedanken, Ideen, Erfahrungen annehmen, die mir ein Leben als Mama, Frau und Ehefrau schenkt. An jeder einzelnen Knospe riechen. Warten und beobachten, welche Knospe sich zu einer wunderschönen Blüte entwickeln wird. Welche Farbe, welche Größe sie haben wird. Oder welche Knospe es niemals bis zur Blüte schafft und vorher langsam eingeht. Ich könnte akzeptieren, dass manche Dinge einfach nur Zeit brauchen. Nicht mehr und nicht weniger.

… ich gehe schon mal die Vase für das riesige Blumenbouquet aussuchen.“


Und, Watson? Hast du eine Idee, was mir das alles nun sagen will?

Zunächst wusste ich es selber nicht.

Aber wie ich das mit meinem Geschreibsel oft mache – ich nehme Abstand von den Worten. Genauer genommen habe ich – den Laptop runterfahren. Habe den Kaninchenstall ausgemistet. Die Wäsche zusammen gelegt. Eine neue Wäsche angestellt. Schnell durchgesaugt. Die Spülmaschine ausgeräumt. Und einen Kaffe getrunken. Ganz. In. Ruhe. – da dämmerte es mir.

Auf den zweiten Blick las ich folgendes aus meinem Text:

Es beschäftig mich sehr, dass ich gerade nicht allen und allem gerecht werden. Ich wünschte, ich könnte das einfach so akzeptieren. In Ruhe. Ohne mir weiterhin unterschwellig Vorwürfe zu machen. Einfach akzeptieren, dass das manchmal im Leben eben so ist. Und das tue ich gerade nicht.

Und jetzt? Möchte ich weiter grübeln? Mir weiterhin Vorwürfe machen, weil ich scheinbar Dinge verdränge die ich nicht wahrhaben möchte?

Nein. Möchte ich nicht. Ich denke es ist mal wieder an der Zeit für einen Wechsel der Blickrichtung. Nur ein kleiner Richtungswechsel. Nichts Großes. Dennoch erleichternd.

Wenn ich aufhöre zu grübeln, sondern eher sinniere, bekommt das ganze doch schon einen anderen Geschmack. Wenn ich Gedanken akzeptiere und wahrnehme statt ihnen nachzuhängen, fühlt sich das schon wieder ganz anders an.

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Seht ihr. Da freue ich mich jetzt. Weil mir eine Schreibblockade mal wieder einen neuen Blick auf mich selbst eröffnet hat. So ist das, mit „Sackgassen“ im Leben 😉 Meißtens gibt es wunderschöne, kleine, unbetretene Wege, die aus der Sackgasse heraus führen.

Wie sieht es bei euch aus – Grübelt ihr noch oder sinniert ihr schon? Sind eigentlich Menschen unter euch, die das Schreiben auch für sich nutzen?


4 Gedanken zu “Ich habe euch belogen…

  1. Ich hab oft das Gefühl nicht genug zu geben. Als Erzieherin: 70%, als Integrationskraft: oh Gott, 30%, wenns hoch kommt. Ich hab zu viele Pflichten in der Kitagruppe. Als Haushaltsvorstand: 40% (+ 20% an den Wochentagen die Putzfrau) = 60%. Ich hasse es, wenn ich das Gefühl habe in einem Bereich nicht 100% zu geben. Manchmal bemerke ich das gar nicht, dann ist das eben so, ich mache alle meine Sachen und die auch ganz gut. Die Kitakinder haben mich gern und zeigen mir das, das integrative Kind hat heute endlich einen Puzelbaum geschafft und es allen glücklich erzählt und Zuhause sieht auch noch nicht so schlimm aus, dass man keinen mehr herein lassen kann.

    Aber dann denke ich: „Gern haben, schön und gut, aber eigentlich wollte ich nochmal mit S. das Schneiden üben, ohne dass er es merkt“ und „Nen Purzelbaum hat das Mädchen gelernt. Aber ich hab wieder keine Zeit gehabt es zu dokumentieren. Jetzt muss ichs morgen machen und dann hab ich wahrscheinlich die Hälfte vergessen“ und „Aufräumen geht in vielleicht zehn Minuten, aber ich muss noch Essen kochen und durchsaugen. Die Vögel müssen VORHER sauber gemacht werden. Und Wäsche aufhängen noch. Chaos.“ Immer grübeln und nachdenken. Gern auch ZERdenken, bis nix Positives mehr übrig ist.

    Hm. Während ich schreibe (ohne Mist! Sollte nur ein Kommentar auf deinen weiteren so treffenden Text sein!) sehe ich das Ganze schon etwas anders. Hab ich nicht eigentlich einen guten Tag bei der Arbeit gehabt und mit den Kindern gelacht? Ja. Ist der Purzelbaum nicht eigentlich schon ein ganz schönes Ding, weil das Kind sich so gefreut hat, obwohl es immer ein bisschen Schwierigkeiten hat sodass zu zeigen? Na sicher! Ist es nicht super, dass es hier einigermaßen aussieht und auch bei Unordnung immer noch gemütlich und MEIN schönes Zuhause ist, in dem wir uns wohlfühlen auch wenn Hirsekörner vor der Völker liegen? Na klar!

    Du hast recht, man muss sich die Dinge, die man macht, erledigt, schafft einfach mal bewusster machen und sie auch als „geschafft“ oder zumindest „positiv“ hinnehmen und weniger der übelste Kritiker für sich selbst sein. Das übe ich mal.

    Ich freue mich sehr auf deinen nächsten Text! ♡

    Gefällt 1 Person

    1. Oh ja, Katharina. Und das tust du auf eine ganz besondere Art und Weise. Ich habe schon viel Zeit auf deinem Blog verbracht und werde auch in Zukunft oft „bei dir“ verweilen 😉 Denn ich mag deine Texte sehr. Ein ganz wunderbarer Mix aus Stoff zum Nachdenken, Lachen und Schmunzeln. Gewürzt mit Grips und Köpfchen 😉
      Herzliche Grüße aus Herten, Nina

      Gefällt 1 Person

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