Das Tier in mir

Ich bin gar nicht nur Mama, Heilpraktikerin und Betriebswirtin. Ich bin auch Tierpflegerin. In einem Nationalpark. Meinem Nationalpark. Ich kümmere mich dort um die Lebensräume der Tiere und halte alle tierischen Bewohner bei Laune. Es gibt Tage, an denen gibt es ganz schön viel Tumult bei uns. An anderen Tagen ist es ganz still und alle sind zufrieden.

Vor einiger Zeit ist mir ein Bild in die Hände gerutscht, welches mich zum Schmunzeln gebracht hat. Ein kleiner, schüchterner Hase. Das Bild trug den Titel: Das Tier in mir.

So, in etwa, sah das aus. Kennt ihr sicher:

Tier in mir

„Jaaaha, genau so!“, habe ich mir beim Betrachten gedacht. Genau so fühlte ich mich in diesem Moment. Das war nach meinem ersten Praktikumstag im Krankenhaus. Ich fühlte mich wie „Mein Name ist Hase. Ich weiß von nichts!“, oder so ähnlich. Das kleine, schüchterne, unwissende Häschen hüpfte fröhlich und aktiv durch meinen, inneren Nationalpark.

Aber glaubt ma‘. Manchmal kann ich auch anders. Da bin ich dann eher die Löwin im Karnickelfell.

Klar, so als Mama kann man zur gefürchtetsten Löwin Afrikas werden. Das Blöde ist nur, wenn die Löwin übernimmt, kann ich sogar mir selbst zum Feind werden. Wenn ich leidenschaftlich an etwas arbeite, vergesse ich mich selbst. Dann funktioniere ich wie ein Raubtier, das nur seine Beute, sein Ziel fixiert hat. Nicht immer schön. Aber für einen überschaubaren Zeitraum durchaus mal akzeptabel und auch gar nicht so unpraktisch. Hätte ich da nämlich keine Löwin in meinem Nationalpark, wäre ich wohl heute keine Heilpraktikerin und mein Blog wäre auch niemals zustande gekommen.

Zum Glück, weiß die Löwin aber meist, wann sie wieder abziehen muss. Dann übernimmt herzlich gerne das Faultier. Komme ich heute nicht. Komme ich morgen. Die Wäsche läuft nicht weg, die Kinder können sich allein beschäftigen und – ach, kochen wird doch auch überbewertet. Da lobe ich mir mein Mittagschläfchen in Joggingbuxe.

Irgendwann kommt mein Eichhörnchen ganz flux angetrippelt. Hektisch und schnell, erledige ich meine Aufgaben. Kopflos treffe ich Entscheidungen, weil… muss ja schnell gehen. Und dann mache ich alles so schnell, dass ich meine Nüsse im Winter garantiert nicht mehr wieder finden werde.

ZUM GLÜCK, gibt es da aber auch einen Elefanten im Nationalpark. Einen ganz großen, weisen, sozialen Elefant. Ruhig, besonnen und durchdacht gehe ich dann die Dinge im Alltag an. Alles hat Hand und Fuß. Mein sanfter Riese, steht mit allen vier Beinen ruhig im Leben.

So könnte ich jetzt Zeile um Zeile weiter machen. Mach‘ ich aber nicht. Wird zu langweilig. Mein Nationalpark hat nämlich eine ganze Menge Bewohner.

Wisst ihr, manchmal vertragen meine Tiere sich untereinander nicht allzu gut. Dann jagt der Löwe das Faultier und das Eichhörnchen wird vom Elefanten platt getreten. Anstrengend, sach‘ ich euch. Dann muss ich als Tierpflegerin mal ´n echtes Machtwort reden! Aber alle sind ´se zufrieden, wenn sie hier und da mal beachtet werden. Ihre Streicheleinheiten bekommen, fressen, brüllen, trompeten und fiepsen dürfen. Und dann freuen sie sich wieder, sich in ihre eigenen, markierten Gebiete zurückziehen können.

Wenn ich, als Tierpflegerin, meine Tiere und ihre Bedürfnisse kenne, kann ich mit jedem von ihnen, achtsam umgehen. Dann ist es ganz herrlich ruhig bei mir. Friedlich, natürlich und traumhaft schön.

Kennst du deine Nationalparkbewohner? Kommen sie gut miteinander klar? Weißt du, wer von ihnen zu welchem Zeitpunkt in Erscheinung tritt? Versuche doch, dich mal einen Tag lang, dahingehend zu beobachten. Lerne deinen Nationalpark kennen. Die Tiere die darin wohnen. Akzeptiere alle und kümmere dich um sie. Und der Rest ergibt sich von allein.

Und mal ehrlich. Tierpfleger wollten wir doch als Kind alle mal werden, oder?


Diese Übung finde ich persönlich ganz wunderbar, um achtsamer mit mir selbst umzugehen. Mich zu akzeptieren. Und damit authentisch zu sein.

Ich geh jetzt mal die Kaninchen ausmisten. Als Unsere. Hier zuhause.

Habt noch einen schönen Abend, ihr lieben LeserInnen!


5 Gedanken zu “Das Tier in mir

  1. Tierhueter in der Serengeti: mein Kindheitstraum! Bis ich erfuhr, dass es dort auch sehr grosse Spinnen gibt ☺
    Ich werde heute einmal darauf achten, welche Tiere in meinem Wildpark so alles leben und dem entzueckenden, schuechternen Haeschen zuliebe die Loewin ein wenig zu zaehmen versuchen…
    Danke fuer diesen inspirierenden Artikel!
    M.MAMA

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  2. Wow. Toller Text. Hab mich sofort in dich hineinversetzen können und Parallelen von deinem „Nationalpark“ zu meinem „Nationalpark“ ziehen können.
    Ich finde den Vergleich der unterschiedlichen Facetten der Persönlichkeit mit der Tierwelt sehr passend. So kommt man möglicherweise auch darauf, welches Tier gerade oder grundsätzlich bei einem selbst dominant ist. Und ob einem das Tier sympathisch ist, und was es braucht, um es zufrieden zu stellen. Jetzt mal ganz bildlich ausgedrückt. 😉
    Ich finde es sehr wichtig, sich selbst sehr gut zu kennen und mit allen Schwächen lieben zu lernen – denn nur so wird die Basis gelegt, das man auch selbst Liebe weitergeben kann!
    Danke für die Anregung zur Gedankenreise!
    Liebe Grüße, Selina

    Gefällt 1 Person

    1. Ganz herzlichen Dank, Selina! Das freut mich, dass dir der Vergleich so gut gefällt. Als ich dieses Bild von dem Hasen sah, musste ich so lachen und da kam mir die Idee.
      Ganz herzliche Grüße aus dem heute ach so sonnigen Ruhrgebiet. 😊 Nina

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